Mythos Stonehenge: Österreichische Wissenschaftler spüren den Rätseln seit vier Jahren nach

© APA/EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Virtuelle Archäologie
08/28/2014

Geheimnisvolle Funde in Stonehenge

Wie österreichische Forscher mit High-Tech-Methoden unter Stonehenge Jungsteinzeit-Monumente entdeckt haben.

von Susanne Mauthner-Weber, Sandra Lumetsberger

In den vergangen vier Jahren hat Wolfgang Neubauer mit seinem Team etwa 120 Tage damit verbracht, auf seinem Mini-Traktor über die Wiesen rund um Stonehenge zu fahren. Wozu? "Wir haben zwölf Quadratkilometer mit unserem Bodenradar vermessen und wissen jetzt sehr genau, wo was zu finden ist und wo nicht", sagt der virtuelle Archäologe vom Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI-ArchPro) in Wien.

Gemeinsam mit Kollegen der Universität Birmingham hat das Wissenschaftler-Team so nicht weniger als 15 bisher verborgene, mystische Monumente aus dem Neolithikum aufgespürt, sagt der britische Archäologe Vince Gaffney im Smithsonian Magazine. Bereits 2010 hat Neubauer 900 Meter nordwestlich von Stonehenge ein weiteres Henge-Monument aus Holz aufgespürt. Jetzt sagt er: "Wir haben weitere entdeckt. Alle aus Holz."

Die Hightech-Methoden Neubauers und seines Teams machten den Sensationsfund, der am 9. September bei einer Pressekonferenz in Birmingham präsentiert wird, möglich: Statt schweißtreibend im Boden zu wühlen, erfassten die Forscher verschüttete Henges (darunter einen riesigen Superhenge), Wälle, Gruben und Gräber – zerstörungsfrei und mit neu entwickelten motorisierten Magnetometern, Bodenradar, 3-D-Laser-Scannern und magnetischen Sensoren, die Abweichungen vom Erdmagnetfeld zeigen.

Terra incognita

Trotz vieler Jahre Forschung weiß man wenig über die Bedeutung der Steinkreise. Tempel? Friedhof? Parlament? Das Lourdes der Jungsteinzeit? "Es war Terra incognita, ehrlich", sagt Archäologe Gaffney. "Unsere Untersuchung ändert die Sicht auf Stonehenge gründlich. Sie wird nie mehr sein wie früher."

Gaffney zufolge deuten die entdeckten Strukturen darauf hin, dass Stonehenge kein isoliertes Monument in einer ansonsten unberührten Landschaft war, zu dem nur ganz bestimmte Menschen Zugang hatten – sondern ein äußerst belebter Ort.

Versammlungsort

Wolfgang Neubauer bestätigt: "Sicher ist, dass ganz viele Menschen hier zusammengekommen sind." Was diese dort gemacht haben, sei natürlich Spekulation. Aus seinen Forschungen weiß er aber bereits: "Wir haben keine Strukturen gefunden, die auf Felder hindeuten; Leute haben hier also kaum Landwirtschaft betrieben. Wir haben keine großen Siedlungen gefunden; die Menschen lebten also nicht hier." Sicher sei: Es wurden unterschiedliche Rituale abgehalten – politische, religiöse, zur Heilung. Alles ist denkbar. "Vielleicht haben die Menschen einen Führer bestimmt oder Bestattungen abgehalten. Für Letzteres spricht, dass alle Gräber Blick auf Stonehenge haben", sagt Neubauer.

Weitgereist

Fest steht außerdem, dass so mancher Besucher (Pilger?) von weither kam. Nur acht Kilometer von Stonehenge entfernt fand man das Grab eines 35- bis 45-jährigen Mannes, der dort zwischen 2400 und 2200 v. Chr. begraben worden war. Er erhielt den Namen Amesbury Archer und seine Überreste erzählen eine Geschichte von Krankheit und Schmerz. Woher er kam? Aus den Alpen.

Zurück zu unserem Archäologen auf dem Traktor (rechts) aus den Alpen. Der stellt unterdessen einen kleinen Vergleich für Laien an, um verständlich zu manchen, wie groß das Gebiet ist, das er mit seinem Röntgenblick durchleuchtet hat: "Stonehenge ist etwa so groß wie ein Fußballfeld. Das jetzt untersuchte Areal entspricht 1250 Fußballfeldern", erklärt er und hofft, durch diese weitreichende Untersuchung der gesamten Landschaft Sinn und Zweck des Monuments quer durch die Jahrhunderte enträtseln zu können.

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