Leben
02.11.2017

Eveline Hall: "Ich bin eine Frau ohne Alter"

Die 72-Jährige moderiert die achte Staffel von "Austria's Next Topmodel".

Als "Mutter mit Erfahrung" möchte Eveline Hall ihre neue Rolle als Moderatorin anlegen – genug davon hat sie: Die hoch gewachsene Hanseatin war Schauspielerin, Ballerina und Showgirl in Las Vegas, ehe sie mit Mitte 60 als Model entdeckt wurde. Mit dem KURIER sprach die 72-Jährige über Sachertorten, Heidi Klum – und warum sie niemals eine Großmutter spielen würde.

KURIER: Das Motto der Staffel ist "Be a brand" – wie wird man eine Marke im Modelbusiness?

Eveline Hall: Das ist sehr schwierig, ein Akrobatenakt. Es gibt ja heute ganz wenige, die ein Brand sind, Kate Moss zum Beispiel. Du brauchst einen Wiedererkennungswert. Wir haben in der Show zum Beispiel ein Mädchen in der Show, das hat die nötige Größe und sensationelle Beine, und einen Jungen mit unglaublichen Augen. Man muss den jungen Models viel mitgeben, damit sie überhaupt einmal vom Mainstream wegkommen. Wir sind ja heute alle gleich.

Topmodels wie Gigi Hadid oder Kendall Jenner werden auch als "Insta-Models" bezeichnet - kann man in dieser Branche überhaupt noch erfolgreich werden, ohne in den sozialen Medien ständig präsent zu sein?

Wenn es der alleinige Weg ist, halte ich davon wenig. Das ist ein kurzlebiges Ding, weil Junge die Möglichkeit haben, alles in die Welt hinauszuschießen, was geht. Aber ob nur dadurch auf lange Sicht ein Brand mit Bestand werden kann, wage ich zu bezweifeln.

Sie wurden mit 65 als Model entdeckt. Wie haben Sie es geschafft, eine Marke zu werden?

Damals habe ich gedacht, mein Agent hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, so etwas hat es ja noch nie gegeben. Du brauchst jemanden, der etwas in dir sieht. Als Schauspielerin würde mich meine Agentin nie als Großmutter verkaufen, sondern eher als Spinne in einem Fantasiefilm. Ich bin eine Frau ohne Alter, ich habe einen Körper, den kaum einer hat.

Sie haben einmal gesagt, Sie würden sich nie jünger machen, als Sie sind, und sich öffentlich gegen Schönheitsoperationen ausgesprochen – warum?

Ich könnte noch so viel botoxen – wenn ich neben einer 50-Jährigen stehe, sieht man einfach, dass ich älter bin. Ich wollte nie lächerlich wirken, das wäre das Schlimmste, das ich mir antun könnte. Ich beobachte das oft bei Frauen, und das ist traurig, weil sie alle eines Tages genauso alt sein werden wie ich, so sie gesund bleiben. Wir alle gehen diesen Weg. Entscheiden tut am Ende der da oben, und der lacht sich bestimmt halb tot, wenn er sieht, was wir da alles reintun. (nimmt eine Hautfalte zwischen die Finger)

In der Vergangenheit gab es immer wieder harte Kritik an Modelshows wie GNTM bzw. an Heidi Klum. Zurecht?

Dazu kann ich nichts sagen, ich habe das wenig gekuckt. Ich habe auch eine andere Meinung über Heidi. Viele Leute, mit denen ich arbeite, kennen sie gar nicht als Topmodel. Das ist mir nicht wichtig. Sie ist eine ausgesprochen talentierte Businessfrau, und wenn man etwas so gut macht, hat das Anerkennung verdient. Ich kenne sie nicht persönlich, nur ihren Vater. Er hat mich gesehen, als ich in Berlin ein Konzert gegeben habe. Danach kam er zu mir und sagte: Ich habe noch nie eine Frau gesehen, die zwei Stunden so in Action war.

Sie sind für Ihr Alter erstaunlich fit – verraten Sie uns Ihr Geheimnis?

Die Wahrheit ist: Es gibt keines. Meine Mutter, ich lebe mit ihr zusammen, ist 96 und hat rein gar nichts. Ich habe ein kleines Trainingsprogramm, das ich jeden Tag mache, egal, wo ich bin. Ich esse alles – mehr und mehr. Ja, auch Sachertorte. (lacht) Glauben Sie ja nicht, dass ich auch nur ein Bein hierher setzen würde, wenn ich hungern müsste. Niemand ist es wert, deswegen krank zu werden. Das werde ich auch unseren Kandidaten vermitteln.

Modelsuche in acht Runden: "Hauptsache, man fällt auf"

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der oder die Schönste im ganzen Land? Bereits zum achten Mal stellt sich hierzulande die Schneewittchen-Frage. Die Antwort wird nach sieben Jahren auf PULS4 heuer erstmals auf ATV ermittelt. Zusätzlich zum Senderwechsel erfolgte auch eine Neuausrichtung der Jury: Neben Eveline Hall und Daniel Bamdad gehört dieser auch die Modedesignerin Marina Hoermanseder an. Sie wird als eine von zwei Teamleadern "wie eine Löwin" kämpfen, aber auch als Psychologin und "beste Freundin" wird sie gefragt sein: Tränen werden fließen.

30 Kandidatinnen und Kandidaten gehen ins über acht Runden dauernde Rennen um den begehrten Titel. Geht es nach den Sendungsverantwortlichen, reicht Schönheit alleine nicht mehr aus. Ein Model muss mehr zu bieten haben, als die gerade üblichen Modelmaße (80-60-85?) und den perfekten Walk am Laufsteg. "Be a brand – werde zur Marke!" heißt das Motto der achten Staffel, die ab heute immer donnerstags über die Bühne gehen wird. Laut Marina Hoermanseder sind einige Kandidaten dabei, von denen viele sofort einen Modelvertrag bekommen würden. Aber wozu dann der Umweg via Castingshow?

"Für die Kandidaten bietet sich dadurch die Möglichkeit, das Showbusiness besser kennenzulernen, sich einen Namen zu machen. Dabei ist es egal, ob man positiv oder negativ auffällt. Hauptsache, man fällt auf", meint Hoermanseder.