© rts

freizeit Leben, Liebe & Sex
12/05/2011

Anonymous als Kinderporno-Jäger

Hacker prangern knapp 1.600 Nutzer einer Kinderporno-Webseite online an. Vorgehen wird heftig kritisiert.

Anonymous-Aktivisten haben einen Online-Pranger für 1.589 Kunden einer Kinderporno-Webseite erstellt. In einer Datenbank werden Nicknames, teilweise Klarnamen, Wohnadressen und E-Mail-Adressen von Personen aufgelistet, die sich auf der Webseite "Lolita City" registriert hatten. Lolita City hostet laut Anonymous ca. 100 Gigabyte an pornografischem Material. Hinter der Webseite soll das Unternehmen Freedom Hosting stehen, die laut einem auf Pastebin veröffentlichten Dokument über 40 einschlägige Online-Angebote betreut. Die Hacker versuchten in einer "Operation Darknet", Links bei Freedom Hosting zu entfernen und forderten den Betreiber zur Einstellung seiner Tätigkeiten auf. Freedom Hosting weigerte sich.

Entgegen sonstiger Anonymous-Aussendungen wurde die Operation Darknet nicht über bekannte Twitter-Konten der Hackertruppe verbreitet. Dabei kommt wieder einmal die Tatsache zum Vorschein, dass es sich bei Anonymous um ein führungsloses Kollektiv handelt. Einzelne Hacker können - und konnten - eigenständige Aktionen unter dem Deckmantel der Gesamtbezeichnung durchführen.

Am Vorgehen der Hacker wird unterdessen harsche Kritik geübt. Der gemeinsame Tenor: Anonymous macht sich dadurch zum selbsternannten Sittenwächter, setzt sich über das rechtsstaatliche System und die Unschuldsvermutung hinweg. Personen würden in aller Öffentlichkeit bloßgestellt, obwohl ihre Schuld alles andere als erwiesen ist. Abgesehen davon wurden mit der Datenbank-Veröffentlichung Links gepostet, die direkt auf Kinderporno-Webseiten führen - was merkwürdig erscheint, will man doch angeblich Kinderpornografie im Netz bekämpfen.