Leben
15.04.2017

Anne Geddes: Hey, Baby, wer ist am süßesten?

Sie sieht Babys mit eigenen Augen. Die Fotografin Anne Geddes inszeniert kleine Menschen auf ganz erstaunliche Weise. Ihr Lebenswerk ist jetzt im Prachtband "Small World" erschienen.

Sie liegen friedlich schlummernd auf einem Baumstamm, als Schnecke verkleidet. Oder hingekuschelt in einen Blütenkelch oder in einer Erbsenschote. Oder sie gucken keck aus einem Blumentopf: So sehen Babys aus, die die großartige Fotografin Anne Geddes in ihren Bildern festhält. Da fragt sich der Hobbyknipser, der so seine Erfahrungen hat mit grantigen Kindern, die flüchten, wenn er die Kamera zückt: Wie macht sie das?

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In der Ruhe liegt die Kraft: Ein süßer Schneck namens Julia, drei Wochen alt.

Was blüht denn da?

Teddy als Schutzpatron.

Zarte Falter schlummern sanft.

Blumenkind im Hortensienmeer.

Der Sonne entgegen.

Wohlgenährt und rundum zufrieden.

Ein zarte Blüte.

Suchbild: Wo sind die Babys? Lösung: Die Marienkäfer sind es.

Prinzessinnen auf der Erbse.

Einwickelt im Kokon.

Eichelbewohner, aneinandergekuschelt.

Ein Teil des Geheimnisses ist – Erfahrung. Seit 30 Jahren erkundet die aus Australien stammende Anne Geddes das Wunder neuen Lebens mit ihrer Kamera. Die schönsten Bilder sind nun in dem Prachtband "Small World" (Taschen) erschienen. Statt wie es früher üblich war, Kinder in steifen Posen und starr in die Kamera lächelnd, abzulichten, inszeniert sie die Babys. Als Elfen, Wichtel, Blumen oder sie verwandelt Babys in wundersame Unterwasserwesen, die aber niemals den Eindruck von Hilflosigkeit vermitteln. Die Autodidaktin hat zwar auch schon mit den Mitteln der digitalen Bildbearbeitung experimentiert, doch ihr ist es lieber, alles direkt mit der Kamera einzufangen. "Der Blick in Babyaugen ist für mich der Blick in die Seele", sagt sie. Babys sind für sie vollkommene Wesen.

Wie Anne Geddes zu ihren erstaunlichen Fotos kommt, verrät sie der im Interview.

freizeit: Babys oder Erwachsene vor der Kamera – wie unterscheiden sie sich beim Fotografieren?

Anne Geddes: Erwachsene haben großen Respekt vor dem Fotografen. Babys gar keinen. Ich fotografiere jetzt seit 30 Jahren. Zehn Jahre lang habe ich Kinderporträts gemacht. Dabei habe ich gelernt, wie unterschiedlich man mit Kindern der verschiedenen Altersgruppen umgehen muss. Jedes Kind muss man anders behandeln – wenn es vier Wochen, sechs Monate oder ein Jahr alt ist.

Was ist das schwierigste Fotomotiv?
Das ist eindeutig ein Zweijähriger, der keinen guten Tag hat. Der ist notorisch schwierig. Aber das kann man weglachen.

Wie schaffen Sie es, dass die Babys auf Ihren Fotos entweder ruhig schlafen oder total friedlich und freundlich aussehen?
Neugeborene, dazu zähle ich Babys bis zu vier Wochen, verbringen die meiste Zeit schlafend. Sie nehmen ihre Umwelt nicht bewusst wahr. Meist sind drei Kinder gleichzeitig im Studio, da muss man nur warten, bis sie eingeschlafen sind. Ältere Baby interagieren mit der Umwelt. Da muss man vor allem schnell sein. Man hat nur ein paar Minuten Zeit, dann ist die Aufmerksamkeit der Kinder wieder weg.

Wie funktioniert denn das? Ihre Fotos sind doch höchst aufwendige Inszenierungen.
Das bedeutet vor allem viel Vorbereitung. Am Tag vor den Aufnahmen muss alles im Studio fix und fertig hergerichtet sein. Denn am Tag des Shootings selbst bleiben eben nur ein paar Minuten.

Sind die Eltern bei den Aufnahmen dabei?
Selbstverständlich. Sie sind eine große Unterstützung. Sie wundern sich oft, dass im Fotostudio nicht Lärm und Chaos herrschen, sondern dass es da ganz ruhig zugeht.

Gibt es etwas, das wir von den Babys lernen können?
Oh ja. Babys kennen nichts Böses. Sie sind rein und unschuldig. Und sie sind ein Symbol des Neubeginns und großer Möglichkeiten. Wir Erwachsene sollten versuchen, so gut wie sie zu sein. Ein bisschen helfen sie uns ohnehin dabei. Haben Sie das nicht schon einmal beobachtet? Wenn ein Baby im Raum ist, lächeln die meisten Menschen.