Leben
09.04.2017

50 Jahre Summer of Love

1967: Der Spruch "Törn dich an, stimm dich ein, steig aus" markiert den Höhepunkt der Hippie-Bewegung.

Der Sommer der Liebe begann im Winter – ausgerechnet. Am Nachmittag des 14. Jänner 1967 versammelten sich etwa 30.000 junge Menschen im Golden Gate Park in San Francisco, um gemeinsam zu tanzen, musizieren und gegen das soeben veranlasste LSD-Verbot zu protestieren. Als der Psychologie-Professor Timothy Leary auf der Bühne seinen berühmten Satz "Turn on, tune in and drop out" – Törn dich an, stimm dich ein, steig aus – in die Menge schrie, war der Jubel groß. Leary hatte soeben das Motto für die Hippie-Bewegung der späten Sechziger ausgerufen.

Das unter " Human Be-In" (eine Anlehnung an die zu der Zeit häufigen Sitzstreiks namens "Sit-ins" und die humanistischen Werte der Protestierenden) berühmt gewordene Event an jenem sonnigen Winternachmittag läutete den "Summer of Love", den Höhepunkt der Hippie-Bewegung, ein. Die Zeitung San Francisco Chronicle resümierte anlässlich des 50. Jahrestags im vergangenen Jänner: "Das erste Mal hatten die Blumenkinder etwas zu Großes geschaffen, als dass die Welt es ignorieren könnte."

Von der Uni in die Stadt

Denn der historische Liebessommer fand nicht, wie oft angenommen, während es Woodstock-Festivals 1969 statt, und auch nicht im in die Geschichtsbücher eingegangenen 68er-Jahr – sondern eben 1967. Hunderttausende Hippies – Feministinnen, Studenten, Künstler – pilgerten in den Monaten nach dem Human Be-In Richtung San Francisco, um mit den engen Moralvorstellungen des prüden Sechzigerjahre-Amerikas zu brechen. "Diese Ideen gab es seit 1964/65 an der University of Berkeley unweit von San Francisco", erklärt Albert Müller vom Institut für Zeitgeschichte der Uni Wien: "1967 kamen die Hippies raus aus der Uni, rein in die Stadt." In den Parks der kalifornischen Metropole wurde gefeiert, geliebt, geraucht. "Der Drogenkonsum lief aus dem Ruder", sagt Müller.

Epizentrum in San Francisco

Zum Epizentrum der Bewegung wurde der Stadtteil Haight-Ashbury, wegen des hohen Marihuana-Aufkommens "Hashbury" genannt. Heute sind die renovierten Townhouses im einstigen Hippieviertel viele Millionen Dollar wert. Touristen-Busse, Hippie-Cafés und Haschisch-Stände erinnern aber immer noch an die Aufbruchstimmung vor 50 Jahren. Heuer, im Jubiläumsjahr, sind Ausstellungen und Festivals geplant, die das Flowerpower-Feeling zurück an seinen Ursprung bringen sollen.

Nicht nur in San Francisco ging im ersten Halbjahr 1967 ein Ruck durch die Gesellschaft. In Berlin wurde zur selben Zeit die Kommune 1 gegründet, die das Ideal der Kleinfamilie auf den Kopf stellte. In New York demonstrierten Massen gegen den Krieg in Vietnam. Hier feierte auch das Musical "Hair" Premiere, in dessen Mittelpunkt eine Hippie-Kommune steht. Den Soundtrack zum Summer of Love lieferte im Mai Folk-Sänger Scott McKenzie: "If you’re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair...". Die Nummer, angeblich in zwanzig Minuten geschrieben, wurde millionenfach verkauft.

Jähes Ende im Oktober

McKenzie war einer der Stars des Monterey Pop Festivals im Juni, dem Höhepunkt des kalifornischen Liebessommers. Dieser fand im Oktober mit der Veranstaltung "Death of a Hippie" ein jähes Ende – Anhänger beklagten die Kommerzialisierung ihrer Idee durch die Medien und trugen den Hippie symbolisch zu Grabe. Dennoch: "Der Sommer 1967 war ein wichtiger Beitrag zur Lockerung der konventionellen Zwänge", sagt Historiker Müller.

Die Bewegung ging weiter (Stichwort: Woodstock), viele Themen der Hippies sind aktueller denn je. Und zumindest in Haight-Ashbury geht der Summer of Love heuer in eine neue Runde.