kurierveranstaltungen
04.01.2019

Exklusives KURIER History Gespräch | Dienstag, 22. Jänner 2019

Anlässlich des „Internationalen Holocaust Opfer Gedenktag“ diskutiert Helmut Brandstätter mit Monika Sommer, Direktorin des hdgö, Helga Feldner-Busztin, Zeitzeugin und Elisabeth Brainin, Psychiaterin.

Der Internationale Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner erinnert seit dem Jahr 2005 an den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz Birkenau im Jahr 1945.

Angesichts der neuerlichen Zunahme von Intoleranz und Antisemitismus in unserer Gesellschaft widmet sich das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) in seinen Ausstellungen der Frage, wie die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte und die Erinnerung an die Opfer des Holocaust gegenwärtig wach gehalten und in die Zukunft geführt werden kann.

Was wollen wir nachfolgenden Generationen vermitteln? Welche Funktionen erhalten dabei das mediale, kommunikative und individuelle Gedächtnis? Wie wichtig ist eine Beschäftigung mit dem Thema in den Familien von NS-Opfern bzw. von NS-Tätern?

Diese Fragen kann Helga Feldner-Busztin, beim KURIER-History-Gespräch am 22. Jänner 2019 um 19:00 Uhr beantworten, tritt die Ärztin Jahrgang 1929 doch als Zeitzeugin aktiv gegen das Vergessen des NS-Terrors auf. Sie wurde mit Mutter und  Schwester  in das KZ Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung traf sie ihren Vater Paul Pollak wieder, der Auschwitz überlebte.

Auch die Psychoanalyse beschäftigt Aspekte wie Erinnerung und kollektives Gedächtnis. Elisabeth Brainin hat sich als Psychiaterin, Psychoanalytikerin, Autorin und Vortragende auf die Bereiche Kinderpsychoanalyse, Trauma, Antisemitismus und die Aufarbeitung der Folgen des Nationalsozialismus spezialisiert.

Welche Beiträge Museen zur Erinnerungsarbeit leisten können, wird die Direktorin des hdgö, Monika Sommer beleuchten.

„Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des NS-Terrorregimes und die Geschichtspolitik der Zweiten Republik sind zentrale Themen- und Verantwortungsbereiche des hdgö. Wir zeigen, wie gegenwärtig die Vergangenheit ist. Die Erfahrung des NS-Terrors prägt die Gesellschaft bis heute“.

Exklusives KURIER History Gespräch anlässlich des „Internationalen Holocaust Opfer Gedenktag“

Moderation: Helmut Brandstätter/KURIER Herausgeber

Es diskutieren:

  • hdgö-Direktorin Monika Sommer
  • Elisabeth Brainin, Psychiaterin, Psychoanalytikerin, Autorin
  • Helga Feldner-Busztin, Ärztin, Zeitzeugin.

Dienstag, 22. Jänner 2019 um 19:00 Uhr
Haus der Geschichte Österreich
Foyer | Heldenplatz 1 | 1010 Wien

* ANMELDUNG ERFORDERLICH! Per eMail an: kurierplus@kurier.at

Kosten für das Gespräch: € 15,00
für KURIER CLUB Premium-Mitglieder* € 10,00
inkl. 1 hdgö-Ticket

  • Bitte geben Sie bei der Anmeldung unbedingt an: Name, Adresse, Telefon und die gewünschte Anzahl an Tickets (buchbar nach Verfügbarkeit für max. 2 Personen).
  • Die Vergabe der Plätze erfolgt nach Einlangen der Anmeldungen.
  • Sie erhalten eine schriftliche Bestätigung für Ihre Anmeldung.
  • Bezahlung vor Ort.

Info zur KURIER CLUB-Mitgliedschaft: www.kurierclub.at oder 05 9030-777

Ausstellung „Aufbruch ins Ungewisse“

Der KURIER und das Haus der Geschichte Österreich laden alle Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu einem Besuch in der Ausstellung „Aufbruch ins Ungewisse – Österreich seit 1918“ ein. Bedrückende, mitunter auch sehr persönliche Dokumente und Objekte erzählen im zeithistorischen Museum in der Neuen Burg von historischem und aktuellen Antisemitismus und Rassismus. Sie belegen, wozu Menschen fähig sind, welche Narben der Holocaust hinterließ, welche Erinnerung blieb und wo Antisemitismus in unserer Gesellschaft noch heute zu finden ist.

Aus den Schlagzeilen – ins Museum

Die Entdeckung von Textpassagen, wie „Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million.“ im Liedbuch der Wiener Neustädter Mittelschulverbindung Germania verursachte 2018 eine breite öffentliche Debatte über noch immer vorhandenen Antisemitismus. In der Ausstellung des hdgö ist der Auslöser der Affäre zu sehen, zur Verfügung gestellt vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes.

Ihr Kinder seid mein Schutzmantel

Im Jahr 2010 gestalteten Schüler einen Mantel für die Holocaust-Überlebende Ceija Stojka. In den 1980er Jahren als Künstlerin, Sängerin und Schriftstellerin bekannt geworden, erzählte Stojka in Workshops von ihren Erfahrungen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen sowie von der Ermordung ihrer Familie im Holocaust. Schüler schufen als Reaktion darauf einen „Schutzmantel“ für Ceija Stojka, damit sie keine Angst mehr haben müsse.

Auf der Außenseite zeigt er Elemente ihrer Biografie. Unter anderem sind auf Romanes die Worte „gobatschi del ma sorr" eingestickt, was soviel bedeutet wie „der Baum gibt mir Kraft“.
Auf der Innenseite finden sich die Porträts der Schüler. Das hdgö erzählt mit diesem Mantel von der unermüdlichen Erinnerungsarbeit der 2013 verstorbenen Ceija Stojka.

Das Kleidungsstück ist berührendes Zeugnis für die Weitergabe von Erinnerungen und individueller Geschichte und zeugt gleichzeitig von der Annahme dieser Erinnerungen durch die jüngere Generation, wie Kuratorin Birgit Johler betont.

Heilige Schriften zweckentfremdet

Bei der Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung besetzter europäischer Staaten fielen beteiligten Wehrmachtssoldaten immer wieder religiöse Gegenstände in die Hände. Dieser Teil einer Thorarolle wurde als Verpackungsmaterial für ein Feldpostpaket verwendet und im Juli 1944 von einem Wehrmachtsangehörigen in Ungarn zu seiner Familie in Hohenems (Vorarlberg) gesandt.
Für Kurator Georg Hoffmann wirft dieses Objekt Fragen nach Mitwisser- und Mittäterschaft, dem Eindringen von Gewalt in den Alltag sowie der Rolle der Wehrmacht im Holocaust auf.
Es diskutiert zudem, wie und warum sich derartige Gegenstände über das Kriegsende hinaus erhielten und welche Erinnerung sie bis heute abrufen.