Kultur 20.07.2012

"Zwillingsschwester" der Mona Lisa entdeckt

Im Madrider Prado wurde ein Bild, das bisher als nachträgliche Kopie des berühmten Gemäldes galt, als Bild aus Leonardos Werkstatt identifiziert.

Kunstexperten haben in Madrid eine Zwillingsschwester von Leonardo da Vincis Mona Lisa entdeckt. Sie ist offenbar parallel zum Original Anfang des 16. Jahrhunderts entstanden und wurde allem Anschein nach von Leonardos Lieblingsschüler Francesco Melzi gemalt. Und sie ist in gewisser Hinsicht sogar ein wenig schöner als das Original.

Das Bild hing seit Jahren in der Madrider Pinakothek, sein Wert wurde aber nicht erkannt. Die „Mona Lisa des Prado“ wurde bisher der flämischen Schule zugeordnet. Denn der Rahmen, auf den die Leinwand gespannt ist, war laut offiziellem Verzeichnis aus Eichenholz, wie dies in der flämischen Schule üblich war.

Simultan

Bisher wurde die "Mona Lisa des Prado" der flämischen Schule zugeordnet.
© Bild: REUTERS

Die Zwillingsschwester galt als eine der zahllosen Kopien des Meisterwerks von Leonardo da Vinci (1452–1519). Und sie wirkte vor schwarzem Hintergrund finster und traurig. Bei einer Restaurierung wurde nun aber festgestellt, dass der Rahmen doch – wie in der florentinischen Schule üblich – aus Nussbaumholz war. Und unter einer schwarzen Farbschicht im Hintergrund wurde eine toskanische Landschaft wie beim Original entdeckt.

Das Gemälde sei zur gleichen Zeit wie das Original entstanden, in der florentinischen Werkstatt Da Vincis und unter dessen Aufsicht, gab das Prado-Museum nun bekannt. Der Maler der Kopie hat dieselben Korrekturen vorgenommen wie Da Vinci am Original. Dies zeige, dass beide Werke simultan entstanden seien, betonten die Prado-Experten.

Sie schlossen aber aus, dass die Kopie ebenfalls ein Werk des Meisters ist. Sie weise nicht die leichte Strichführung Da Vincis auf.

 

Ab 21. Februar offiziell zu sehen

Miguel Falomir ist Experte für Italienische Malerei im Prado-Museum.
© Bild: dapd(c) AP

Die Kopie ist laut Experten besser erhalten als das Original: Sie hat Augenbrauen, die auf dem Bild im Louvre fehlen; beim Kleid sind der Saum und die Falten klarer zu erkennen. „Es ist, als hätte man die Mona Lisa einem künstlerischen Lifting unterzogen“, schrieb El País.

Das Bild soll am 21. Februar offiziell vorgestellt werden.

Mehr zum Thema

  • Hintergrund

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

( Kurier ) Erstellt am 20.07.2012