Kultur
24.10.2018

Zorniger Briefwechsel in der ORF-Chefetage

Onlinechef Prantner wehrt sich gegen Kritik durch den roten Stiftungsrat Heinz Lederer.

Dicke Luft im ORF: Nach der Kritik des roten Stiftungsrates Heinz Lederer an Onlinechef Thomas Prantner, schießt der mit einem geharnischten Brief zurück. In dem Schreiben, das Prantner auch dem KURIER schickte, heißt es, er sei immer für Kritik offen,  aber: „Wofür ich kein Verständnis habe, sind öffentliche, abfällige Äußerungen über meine Person und meine Arbeit - wie Du sie im KURIER vom 23.10.2018 getätigt hast.“ Lederer hatte Prantner nach wiederholten technischen Problemen mit der ORF-TVthek angekreidet, dass der ORF „digital nicht am Zug der Zeit" sei. Prantner würde sich außerdem „sehr viel mit FPÖ-Auftritten zu beschäftigen". Am 15. November gibt es zur Onlinestrategie des ORF einen eigenen Termin des Stiftungsrates.

"Anpatzen"

Prantner schreibt nun von „öffentlichem Anpatzen“: „Die Unterstellung/ eine bestimmte Partei in meiner beruflichen Tätigkeit bewusst zu bevorzugen, ist nicht nur nachweislich falsch, sondern auch rufschädigend.“ Er erwarte eine Richtigstellung oder Entschuldigung. „Dass ein Aufsichtsrat eines Unternehmens über einen leitenden Manager und Prokuristen öffentlich herzieht und ihm auch noch parteipolitische Einseitigkeit unterstellt, überschreitet eine Grenze, die wir alle gemeinsam im Interesse des ORF einhalten sollten.“

 

"Schadet Unternehmen"

Um die Digitalstrategie weiter offensiv umzusetzen und den ORF zukunftsfit zu machen, „sind große Anstrengungen notwendig“, so Prantner. „Das alles kann nur in einem Klima des Vertrauens, in positiver Zusammenarbeit zwischen Management und den Aufsichtsorganen und im respektvollen Umgang miteinander geschehen. Das öffentliche Ausrichten von Unfreundlichkeiten - wie Deine Aussagen im KURIER - ist kontraproduktiv und schadet dem Unternehmen.“

Blau-Schwarzer Kandidat

Der bürgerliche Prantner gilt als FPÖ-nahe und wurde im Falle einer blauen Regierungsbeteiligung immer für höhere ORF-Weihen genannt. Aktuell ist Prantner ein stellvertretender Direktor (einer von zweien im gesamten ORF) in der Technikdirektion und verantwortet die Onlineagenden des Hauses. Zuletzt hatte der blaue Stiftungsrat Norbert Steger Prantner eher bei der ÖVP verortet: Prantner könne doch nur nicht deswegen etwas werden „weil er ein ÖVPler ist, der immer nett zur FPÖ war“, meinte er etwa.

(Anmerkung: In einer früheren Version stand fälschlicherweise, Prantner sei der einzige stellvertretende Direktor im ORF. Es gibt mittlerweile mit Roland Weißmann einen zweiten.)