Kultur
13.02.2016

"Zoe kommt in Stockholm ins Finale"

Markus Spiegel analysiert für den KURIER die Vorausscheidung zum Song Contest in Stockholm.

Voilá, es ist vollbracht! Schlussendlich. Zoe Straub hat den ersehnten Sieg verdient und fährt für Österreich nach Stockholm. Haben wir dies aber nicht längst vorher gewusst? Dazu hätte es keiner groß inszenierten ORF-Sendung im Hauptabendprogramm, die vernehmungsweise rund 600.000 Euro gekostet hat, bedurft.

Zoes Konkurrenz war mit großem Abstand schwächer, wiewohl optisch aufgepäppelt mit 18 HD-Kameras und 300 Effektscheinwerfern. Highlight: die professionellen Hintergrund-Animationen auf der hochauflösenden LED-Fläche der Firma "Gravity", die bereits 2015 das ESC-Spektakel in der Stadthalle ins rechte Licht setzte. Auch Star-Regisseur Kurt Pongratz war wieder am Werk. Man könnte also sagen: Die Verpackung stimmt schon, ist sogar spektakulär – nur der Inhalt ist bedauerlicherweise ein Vakuum. "Die ORF-Spitze möchte der österreichischen Pop-Szene mit dieser Auswahlsendung eine Tribüne fernab des Nachtprogramms bieten", sagte Unterhaltungschef Edgar Böhm im Vorfeld.

Was die gut meinende, aber leider beratungsresistente ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner nicht begreifen will, ist der Umstand, dass zwischen der realen Pop-Szene dieses Landes und brauchbaren Song-Contest-Beiträgen eine eklatante Inkompabilität existiert. Mit einer "eingesprungenen Sitzpirouette" lässt sich kaum je ein Erfolg erringen.

Talente

Lösungsvorschlag? Falls der ORF schon die österreichische Pop-Szene fördern will (es reichte, wenn er sie ernsthaft in Ö3 und im TV wahrnimmt), könnte er einen Teil dieses Budgets dem Österreichischen Musikfonds zur Verfügung stellen. Mit dem anderen Teil gälte es, im Vorfeld ein hochrangiges Team aus Fachleuten mit einem Vorlauf von mindestens acht Monaten zu engagieren.

Dieses Team wäre dann für die Suche und Direktwahl des österreichischen ESC-Interpreten zuständig, wie auch für das Gesamt-"Package". All das wäre mit den vorhandenen Mitteln durchaus möglich gewesen, denn Talente sind in Österreich ausreichend vorhanden. Warum sind skandinavische Länder so erfolgreich? Weil sie eben den Song Contest quasi als Weltmeisterschaft einer Musik-Unterhaltungsshow sehen.

Beim ORF sieht man das hingegen ganz anders, drei Monate Vorbereitung sind vollkommen ausreichend! Ein tapferer, aber überforderte Ö3-Veteran Eberhard Forcher darf dann die Kohlen aus dem Feuer holen. Und aus Zeitnot verbrennt er sich unweigerlich die Finger. Zoe hat sich selbst gecastet und stand seit dem Sommer 2015 als Fixstarterin für die nationale Vorauswahl fest.

Finale

Fazit: Daumen drücken! Von den bisher bekannten Teilnehmern sind – aus der Sicht mehrerer Musikproduzenten und, ja, auch aus meiner – die Beiträge der Länder Dänemark und Ukraine zu favorisieren. Und Österreich? Kommt ins Finale! Man muss der charmanten Zoe und ihrem engagiert die Fäden ziehenden Vater Christof Straub (Papermoon), der auch als Produzent, Komponist und Texter fungiert, herzlich gratulieren. Zoe wollte den Sieg. Unbedingt. Und sie hat ihn auch verdient bekommen. Chapeau et bon voyage!

Autor: Markus Spiegel

Zoe hat den Sieg verdient