Valentina Nafornita als Papagena und Markus Werba als Papageno.

© Reuters/HEINZ-PETER BADER

"Zauberflöte": Musikalisch und szenisch unzureichend
11/18/2013

"Zauberflöte": Musikalisch und szenisch unzureichend

Die neue Wiener "Zauberflöte" in der Staatsoper ist musikalisch und szenisch unzureichend.

von Gert Korentschnig

Eine Premiere von Mozarts „ Zauberflöte“ geht fast immer schief. Diese allerdings ging schiefer. Es ist nicht ganz so schlimm wie das Plakat, das im Operncafé schon zur Pause ausgehängt war, insinuierte. Dort stand: „Heute: Keine Vorstellung. Morgen: Madama Butterfly“. (Normalerweise ist der Zettel als Vorankündigung für den nächsten Tag erst nach der Vorstellung zu sehen). Aber die Richtung stimmte: Diese „Zauberflöte“ war keine adäquate Aufführung, zumindest nicht für eine große Premiere an der Wiener Staatsoper, jenem Haus, das weltweit führend in der Mozart-Interpretation sein sollte.

Was alles fehlt

Wenn man an diesem Ort dieses zentrale Werk, diese geheimnisvolle, mythenumwobene Oper als Neuproduktion herausbringt, braucht es dafür zwingende Argumente. Eine erstklassige Besetzung, die an die legendären Ensembles zumindest heranreicht; einen Dirigenten, dessen Zugang überzeugend oder wenigstens faszinierend ist; oder (im Idealfall: und) eine szenische Umsetzung, die eine Interpretation zumindest versucht, die erklärt, was es mit den rätselhaften Figuren wie Sarastro oder der Königin der Nacht auf sich hat. All das kann die Staatsoper leider nicht bieten.

Szenenfotos: "Die Zauberflöte"

Actors perform during a dress rehearsal of The Mag

Actors perform during a dress rehearsal of The Mag

Actors perform during a dress rehearsal of The Mag

Actresses perform during a dress rehearsal of The

Actors perform during a dress rehearsal of The Mag

An actor performs during a dress rehearsal of The

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An actress performs together with members of the V

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An actress performs during a dress rehearsal of Th

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Diese „Zauberflöte“ ist, um ja nicht missverstanden zu werden, keine künstlerische Katastrophe und nicht wirklich ärgerlich. Sie ist von Belanglosigkeit und phasenweise sogar von Langeweile. Das ist zunächst einmal dem Dirigenten Christoph Eschenbach geschuldet, der sich dem Werk mit viel Kraft, aber wenig Esprit und Tiefgang nähert. Differenzierung? Dynamische Feinheiten? Fehlanzeige. Seine Gestaltung ist zäh, schwerfällig, schleppend – und oft zu laut.

Sogar das Staatsopernorchester lässt diesmal vieles an Klangfarben, an Feinheiten vermissen. Auch die Inszenierung von Moshe Leiser und Patrice Caurier (für die beiden gab es einige Buhs) trägt wenig bis nichts zu einer attraktiven Lesart bei. Sie setzt auf ein paar Zaubertricks, von denen einige verblüffen, und auf pyrotechnische Effekte. Die Regisseure lieben es offenbar, die Protagonisten an Seilen durch die Lüfte fliegen zu lassen.

Die wilden Tiere sind amüsant, und einige davon, etwa die beiden Sträuße, von der Otto-Schenk-Inszenierung noch in Erinnerung. Die Erleuchteten sind diesmal graue Herren im Anzug, und man versteht nicht, warum sich Tamino, der zu Beginn aussieht wie aus einer „Entführung“-Produktion, optisch derart umstylen lassen will. Für reines Zaubertheater ist das zu wenig – das konnten Jérôme Savary oder Achim Freyer besser. Eine Analyse findet nicht statt. Dass die Bühne der Staatsoper verkleinert wurde, passt zu dieser Schmalspur-Regie mit Versatzstücken aus aller Welt.

Was es gibt

Die Besetzung würde einem Repertoire-Abend zur Ehre gereichen, ist aber für eine Premiere zu schwach. Markus Werba bemüht sich als Papageno um Witz und wirkt so, wie in jeder anderen „Zauberflöte“ auch. Warum versucht man es nicht einmal mit einem Schauspieler wie Nicholas Ofczarek oder Johannes Krisch? Chen Reiss ist als Pamina die beste Dame, ihr Sopran wirkt aber kalt und nicht sehr facettenreich. Benjamin Bruns ist ein schön phrasierender Tamino, allerdings ohne das berückende Timbre vieler Vorgänger.

Olga Pudova verfügt über Koloraturen und die Höhe für die Königin der Nacht, aber über wenig Ausstrahlung. Brindley Sherratt (Sarastro) ließ sich als erkrankt ansagen und wirkte profillos. Thomas Ebenstein dürfte den Monostatos an diesem Haus nicht singen. Die kleineren Partien sind mittelmäßig besetzt. Einmal blödelte sich Papageno durch den Zuschauerraum und gab Helmuth Lohner ein Busserl. Dessen „Zauberflöte“ an der Volksoper zeugt von Könnerschaft. Diese aber hat kein Herz und geht an die Nieren.

Fazit: Nicht würdig

Das Stück: Mozarts „Zauberflöte“, 1791 am Wiener Freihaustheater uraufgeführt, an der Staatsoper.

Die Sänger: Gut für das Repertoire, für eine wichtige Premiere ist diese Besetzung aber zu schwach.

Der Dirigent: Christoph Eschenbachs musikalische Leitung ist bedeutungslos.

Die Regie: Ein paar nette Effekte, keine relevante Interpretation.

KURIER-Wertung:

FastCast-Video der Premierenkritik direkt aus der Staatsoper

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