Kultur 05.12.2011

Zarter Retro-Charme beim ImPulsTanz

© Bild: impulstanz

ImPulsTanz - Die Akram Khan Company und Mathilde Monnier bringen das Meisterwerk "Vertical Road" auf das Tanzfestival.

Dynamischer kann Tanz nicht sein: Akram Khans "Vertical Road" wird vom Publikum bei ImPulsTanz im Volkstheater umjubelt. Dem in London als Sohn von Einwanderern aus Bangladesch geborenen Tänzer und Choreografen ist ein Meisterwerk gelungen.

Khan stellt nicht nur zeitgenössische indische Tanzformen zu östlich inspirierten Themen auf die Bühne. Aus der Verbindung von traditionellen Elementen seiner Heimat mit westlichem Gegenwartstanz hat er eine einzigartige, artifizielle und anspruchsvolle Tanzsprache entwickelt.

Von acht Tänzerinnen und Tänzern aus drei Kontinenten wird sie zu einer rhythmisch strukturierten Komposition Nitin Sawhneys hervorragend umgesetzt. Wie eine steinerne Armee werden sie von einer messianischen Prophetenfigur aus ihrer Starre erlöst und fallen in einen energiegeladenen Tanzrausch, voll mit rasanten Schritten und Sprüngen. Der Tanzsog führt bis zu Derwisch-Drehungen. Doch die mystische Erlöserfigur mahnt zum Innehalten und verführt zur Meditation.

Rasantes Tempo

Das rasante Tempo erfährt einen ästhetisch nicht minder reizvollen essenziellen Gegenpol. Der schlichte Bühnenraum lebt vom Lichtdesign Jesper Kongshaugs, unterstützt von den wunderschönen, sandfarbenen Kostümen Kimie Nakanos.

Die französische Choreografin Mathilde Monnier zählt zu den Stammgästen bei ImPulsTanz. Dieses Jahr überrascht sie im Akademietheater mit der Neueinstudierung zweier Duette, die 1984/'85 in New York und Lyon uraufgeführt wurden und somit älter sind als ihre Choreografien, die sie bisher in Wien präsentierte.

Es sind dies die Duette "Pudique Acide" und "Exstasis", entstanden in Zusammenarbeit mit dem Tänzer Jean-François Duroure, der auch die Wiederaufnahme mit den jungen
Tänzern Sonia Darbois und Jonathan Pranlas gemeinsam mit Monnier betreute.
Der Geist der 80er-Jahre schwebt über dem Abend. Zu Songs von Kurt Weill mit Texten Brechts orientiert sich der Tanz an der Darstellung von Stadien einer Mann-Frau-Beziehung zwischen Intimität, Isolation und kämpferischer Suche nach Selbstständigkeit. Das zweite Duett, "Exstasis", setzt die Beziehungs-Thematik fort, schwankt zwischen pathetischer Darstellung und lässigem Tanz, gepaart mit einem Hauch von Ironie.

Erstellt am 05.12.2011