Kultur
11.01.2018

"Wonder Wheel": Selbstauflösung vor Eifersucht

Kate Winslet in einem schlampigen Melodram von Woody Allen.

Eine ältere Frau hat eine Affäre mit einem jüngeren Mann – eine ungewöhnliche Konstellation für einen Film von Woody Allen. Doch kaum taucht die Stieftochter der Frau auf – sofort verliebt sich der Liebhaber in die jüngere Konkurrentin; klingt schon weit mehr nach Woody Allen.

Im Jahresrhythmus wirft Allen sein Alterswerk aus – mit Tendenz zur Unerheblichkeit. In einer synthetischen Mischung aus hochgefahrenem Theaterpathos und ironisierendem Erzählton verpasst er dabei sowohl echtes Gefühl wie befreienden Witz. Wahrhaft schön sind nur seine Bilder vom New Yorker Vergnügungspark am Strand von Coney Island in den 50er Jahren: Dort kämpft sich Kate Winslet bewunderungswürdig durch ihre undankbare Rolle als Ex-Schauspielerin mit Alk-Problem. Wie in einer Parodie auf Tennessee Williams rackert sie sich als Reserve-Blanche DuBois durch das trostlose Schicksal einer Kellnerin im Muschel-Lokal. Einzig der Badewaschel vor Ort – ein Drama-Student in Form von Justin Timberlake – erkennt ihre lyrische Seele. Allen kontrastiert seine bewusst künstlich ausgeleuchteten Innenräume mit der stimmungsstarken Atmosphäre seiner Strandszenen. Doch das Theatergepolter der streitenden Eheleute wirkt nie dringlich, sondern mechanisch. Justin Timberlakes Milchgesicht bietet Winslet kaum Paroli, Juno Temple als junge Naive bleibt bestenfalls süß. Auch dass die "ältere Frau" (40) im Angesicht der 25-jährigen als eifersüchtige Hysterikerin völlig aus dem Ruder läuft, muss man mögen. Winslet hält sich tapfer, doch ihre Figur bleibt holzschnittartig, schlampig hingeworfen von Woody Allen.

INFO: USA 2017. USA 2017. 101 Min. Von Woody Allen. Mit Kate Winslet, Justin Timberlake.

KURIER-Wertung: