"Wolf" im Dschungel

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Foto: Matthias Pötsch Die Sandkastenspiele enden tödlich: „Wolf“ im Dschungel

Große Liebe und Blut in der Sandkiste. Der "Wolf" und das Mädchen im Dschungel Wien.

Glück und Trauer liegen nah beieinander, und der Anfang ist das Ende: Eine junge Frau und ein junger Mann liegen eng umschlungen und blutverschmiert im Sand. Er streichelt ihre Stirn, sie scheint tot zu sein. Plötzlich schlägt sie die Augen auf und sagt: „Das ist erst der Anfang“. Lou Reed singt dazu „Perfect Day“ und es ist kein Wunder, dass das Publikum zutiefst gerührt ist.

Okay, Lou Reed ist ein fauler Trick, genauso wie die mehrfache Verwendung von Etta James („At Last“, und „I just want to make love to you“): Wer diese Musik hört, wird schwach und muss einfach mitgerissen sein.

Doch nicht allein deshalb ist „Wolf“, das am Mittwoch im Dschungel uraufgeführt wurde, ein berührendes Theatererlebnis für Menschen ab 13. „Wolf“ ist die erste österreichische Inszenierung des Holländers Theo Fransz, der zu den wichtigsten Jugendtheatermachern in den Niederlanden zählt.

In einem Dorf voller Missgunst und Aberglauben wächst das einsame Mädchen Virginie auf. Sie streift auf dem Friedhof umher und streut Sand auf die Gräber der Toten, damit diese mit dem Zählen der Sandkörner beschäftigt sind und keine Zeit haben, noch mehr Dorfbewohner zu sich zu holen. Ein geheimnisvoller Fremder taucht auf und raubt Virginie das Herz. Dass er eigentlich ein verzauberter Wolf ist, der das Mädchen auf Anordnung dunkler Mächte ermorden muss, will er selbst nicht wahrhaben. Ob das, was am Ende steht, ein Happy End ist, ist Ansichtssache.

Kitschfrei

Wunderbarerweise gelingt diese Geschichte kitschfrei. Wahrhaftig sind die Momente des Sich-Verliebens: „Nenn mich, sprich mich, sieh mich“, schmachten sie einander an. Die sparsame, doch wirksame Ausstattung (Mareile Krett): Eine Leinwand mit Schüttbild, das im Lauf des Abends immer röter wird. Und ein Sandhaufen. Die Liebenden wälzen sich darauf, tanzen Tango, und graben Löcher in den Sand, um einander Hände zu berührend. Was für ein berückendes Bild der Liebe! „Wolf“-Darsteller Florian Hackspiel hat das Zeug zum Mädchenschwarm. Michèle Rohrbach ist das zauberhafteste verliebte Mädchen, das man seit Langem gesehen hat.

KURIER-Wertung: **** von *****

(kurier) Erstellt am
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