Kultur
29.05.2017

Wir Staatskünstler: Viel Platz für Regierungsinserate

Die Halbzeitbilanz 2017 der Staatskünstler im Rabenhof ist nur halblustig und alles andere als ausgewogen.

Es bestand keine Notwendigkeit, dass Bundespräsident Alexander van der Bellen die drei Staatskünstler im Amt bestätigt: Wie wir aus dem Rückblick 2016 wissen, hat sein Vorgänger Heinz Fischer die Kabarettisten Florian Scheuba, Thomas Maurer und Robert Palfrader per Handschlag zu solchen auf Lebenszeit ernannt, obwohl er bereits a. D. war.

Die Signation von "Wir Staatskünstler" aus 2011 – mit der Ernennung – bleibt daher gültig. Auch die Themen Korruption und Freunderlwirtschaft sind es. Doch die "Halbzeitbilanz 2017", die am Samstag im Rabenhof Premiere hatte und nun für den ORF aufgezeichnet wird, enttäuschte über weite Strecken. Denn nach Bilanzziehen stand den Staatskünstlern nicht der Sinn, wiewohl es, angefangen von Djangos Totengräbern, recht viel Material gegeben hätte. Man zog lieber über Sebastian Kurz als "Ohrwaschlheiland" und Johanna Mikl-Leitner als "B.I.S.S.G.U.R.N." her.

Bundeskanzler Christian Kern kam völlig ungeschoren davon. Mit Übereifer hingegen arbeiteten sich die Staatskünstler an Altlandeshauptmann Erwin Pröll und der nach ihm benannten Stiftung ab: In einem lähmend langen Video versuchen sie im Regierungsbezirk von St. Pölten eine Einzahlung zugunsten der Stiftung zu tätigen und lassen sich gerne im Kreis schicken. Mehrfach thematisiert werden zudem die EADS-Deals rund um die Eurofighter, die nur rollfähig, aber fluguntauglich seien. In einem Zuspieler berichtet z.B. der ORF-Sport über den Satz, den der Jet auf der Großschanze machte: So weit sei er nie zuvor geflogen.

Halber Doppler ex

Wunderbar wieder Claudia Kottal und Nicholas Ofczarek in der Koalitions-Soap. Mary und Michi leben in einem Saustall, aber er hält nichts von Halbe-Halbe und verweigert daher das Putzen: Er stürzt lieber einen halben Doppler hinunter. Die Mary blättert im "Möbel Ludwig"-Katalog – und kann sich damit nicht anfreunden.

In einem weiteren Video nehmen sich die Staatskünstler angeblicher Korruption bei "Wiener Wohnen" an – aber zahm. Sehr zynisch hingegen kopieren sie das Geschäftsmodell der Gratiszeitungen: Sie verteilen ein leeres Blatt samt Logo mit viel Platz für Regierungsinserate – und einer darin eingewickelten Wurstsemmel als Give-away.

Nach der Pause (nur für die Theaterbesucher) gibt es ein Round-up der Skandale mit Falter-Chefredakteur Florian Klenk, der einen Krone-Veteran der Fahrerflucht bezichtigt: Meinl, Buwog, Grasser, Meischi ... Amüsant und immer wieder zum Speiben.