© florian wieser

Kultur
11/15/2016

Wilco: Rebellion als Routine

Die US-Indie-Rock-Meister gastierten im MQ Wien

„We aren’t the world“, singt Jeff Tweedy in der Mitte des Konzerts, „we aren’t the children.“ Es ist eine dieser typischen Wilco-Zeilen: Zahlreiche Texte wie auch musikalische Kompositionen der Indie-Rock-Band aus Chicago lassen sich als beharrliche Auflehnung gegen das Naheliegende interpretieren. Wilco oszillieren ständig zwischen Traditionen und Erwartungshaltungen und dem Bruch mit eben diesen.

In Wien, wo die Band um Frontman Tweedy am Montag ihre angemeinde in der Halle E des MuseumsQuartiers beehrte, war allerdings auch die Auflehnung vorhersehbar: Die Band lieferte ihre oft gefinkelt arrangierten Evergreens ebenso ab wie die verhältnismäßig reduzierten Stücke des neuen Albums „Schmilco“ (der Titel spielt auf das Album „Nilsson Schmilsson“ von Harry Nilsson, 1971, an). Sie wuchs dabei aber kaum jemals über sich hinaus.

Jeff Tweedy, der sich mit breitkrempigem Hut und zunehmender Körperfülle optisch immer mehr an den späten Van Morrison annähert, kann mit seiner Stimme zweifellos noch bezaubern. Kaum sonstwo halten sich Sanftmut und Rock-Energie so schön die Waage. Dass der Songwriter gern Abzweigungen aus dem Schönklang nimmt, ist eine kluge Idee, aber eben auch schon Markenzeichen: Die lärmigen Ausbrüche (z.B. in „Via Chicago“) klangen schon mal dringlicher, der rebellische Gestus einer Feedback-Gitarre wirkt mittlerweile ein bisschen ausgereizt.

Gitarren-Klimax

Dennoch war es der famose Gitarrist Nels Cline, der mit einem exaltierten Solo über „Impossible Germany“ für einen der raren euphorischen Momente des Konzerts sorgte. Exaltierte Soli sind ja im Indie-Rock eigentlich verpönt, doch Wilco lehnten sich auch hier stets gegen Normen auf, verbargen nie, dass die Band auch aus äußerst fähigen Musikern besteht.

Als die Gruppe unter einer idyllischen Baum-Kulisse im MuseumsQuartier aufspielte, zeigte sich einmal mehr auch die exakte Abstimmung der Instrumente und Stimmen und der kluge Aufbau der Stücke, die stets mehr als „nur“ Songs waren. Es gibt den Moment, an dem all die Sorgfalt kippt, an der aus einer guten Darbietung eine großartige wird. Er wollte in Wien nicht so recht passieren.