Kultur
16.11.2017

Wolfgang Fischer: "Die Trolle schlafen nicht"

Eine Vorschau auf die neue Saison der Wiener Stadthalle und ein Gespräch mit dem Geschäftsführer Wolfgang Fischer.

Die Wiener Stadthalle geht zwar in das 60. Betriebsjahr, aber noch lange nicht in Pension. Wolfgang Fischer, seit 2012 und noch bis 2022 Geschäftsführer, hält es deshalb auch mit Udo Jürgens (selig!), der wusste: Mit 66 Jahren fängt das Leben an. Und so verkündete er gemeinsam mit seinem Kollegen Kurt Gollowitzer am Donnerstag mit viel Euphorie die ersten Programmhöhepunkte für die Saison 2017/’18. Dabei setzt man wieder auf den bewährten wie breiten Mix aus Musik und Show – kombiniert mit neuen Formaten wie Clubbings und Events wie "Monsterfreund", einem innovativen Lernprogramm für Volksschulkinder.

Was im kommenden Jahr in der Wiener Stadthalle aber sicher nicht über die Bühne gehen wird, sind die MTV Europe Music Awards. Aus diesem Vorhaben wurde nämlich nichts, da die von MTV geforderten Zuschüsse "nicht realisierbar waren", sagt Fischer im KURIER-Gespräch. "Für mich ist das Thema jetzt einmal vom Tisch." Außerdem gäbe ohnehin genügend andere Veranstaltungen, auf die er sich freue.

Zum Beispiel auf das Wiedersehen mitWanda, die am 7. April ihr zweites Stadthallen-Konzert spielen werden. Zum ersten Mal in der Halle D sind hingegenPizzera & Jaus(24.2.). Dass Bilderbuch stattdessen lieber im imperialen Schönbrunn zum Konzert laden, sei zwar schade für die Wiener Stadthalle, "aber ich freue mich trotzdem für die Band." Mit Peter Cornelius (30.11.) und Gert Steinbäcker, der am 1. Dezember 2018 im Rahmen seiner "Das erste S von STS-Tour" in die Bundeshaupstadt kommen wird, decke man dann auch das andere Eck der heimischen Popmusik ab, so Fischer. Entertainment für alle, sozusagen.

Erstes Mal

Im Laufe der Jahre sind Tausende Künstler in der vom österreichischen Architekten Roland Rainer gebauten Halle ein- und ausgegangen. Es gibt kaum einen Superstar, der noch nie in der Mehrzweckhalle im 15. Wiener Gemeindebezirk aufgetreten ist. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Und so eine Ausnahme ist Charles Aznavour. Der französische Chansonnier hat am 9. Dezember mit 92 Jahren sein „erstes Mal“ in der Wiener Stadthalle. „Dass ich ihn endlich auch in der Wiener Stadthalle begrüßen darf, kann man als großes Glück bezeichnen“, freut sich Fischer. Aznavours letztes Wien-Besuch (Konzerthaus) liegt bereits mehr als zehn Jahre zurück.

Neue Kanäle

Die Leitung der Wiener Stadthalle ist zunehmend mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Neben den höheren Sicherheitsanforderungen gibt es mit Facebook und Twitter weitere Kanäle, die bespielt werden wollen. Neben der klassischen Werbung mit Plakaten, Flyern und Newslettern gilt es, die rund 48.000 Fans auf Facebook mit Informationen zu versorgen. Über diese Plattform stellen Besucher vor einem Konzert Fragen zum Einlass, zur Sicherheitskontrolle und zur Stagetime der Künstler. „Via Facebook und Twitter können wir schnell darauf reagieren. Besonders hilfreich ist das bei kurzfristigen Konzertabsagen, sagt Fischer, der aber auch auf die negative Seite von Facebook und Co. hinweisen möchte. „Denn die Trolle schlafen nicht. Negative Kritik fällt immer auf die Stadthalle zurück, auch wenn wir meist nur Location sind. Aber wir versuchen natürlich bestes Service zu liefern und die überwiegend positiven Reaktionen bestätigen das auch. Kritik, auch wenn sie ungerechtfertigt ist, lassen wir stehen. Postings werden nur in extremen Fällen gelöscht.“

Kein Platz für Exzesse

Nachgelassen haben hingegen die kurzfristig auftauchenden Extrawünsche der Stars, weil das Business immer professioneller wurde. "Da ist alles genau getaktet. Für Exzesse ist kein Platz mehr. Die Garderobe reist den Künstlern voraus und das Konzert folgt einem strikten Ablauf. Die Zeiten, in denen Künstler absurde Sachen wie 1000 weiße Schmetterlinge bei uns bestellen wollten – so der Wunsch einer US-Sängerin, deren Namen ich nicht nennen darf, sind vorbei", meint Fischer. Aber auch ein perfekter Veranstaltungsablauf konnte kürzlich eines nicht verhindern: Das frühe Aus von Dominic Thiem beim Erste Bank Open 500. "Das war natürlich schade. Trotzdem hatten wir einen Besucherrekord von 60.000 Zusehern." Aufgeschlagen wird wieder vom 20. bis 28. Oktober 2018. Mit Thiem? "Davon gehe ich aus", sagt Fischer.

Ausgewählte Programmhöhepunkte

– Havasi/2. Dezember
– Holiday on Ice/18.-28. Jänner
Charles Aznavour/9. Dezember
Helge Schneider mit „Ene Mene Mopel!“/1.-2. Februar
– a-ha MTV Unplugged/2. Februar
Depeche Mode/4. Februar
Mario Barth mit „Männer sind faul, sagen die Frauen“/9. Mai
– Game of Thrones Live Concert Experience/19. Mai