Adam Sängerknabe

© Lukas Beck

Wiener Sängerknaben
02/23/2013

Nur aus Liebe zur Musik nach Wien

Der zehnjährige Adam aus Colorado will sich in Österreich seinen Traum erfüllen und Sängerknabe werden.

von Anna-Maria Bauer

Viele Menschen haben noch im Alter wenig Ahnung, wohin ihr Weg führen soll; Adam Rose weiß das bereits im zarten Alter von zehn Jahren ganz genau: in den Chor der Wiener Sängerknaben. Dieser Weg ist von Colorado in den USA allerdings kein Katzensprung. Doch Adams Eltern, John (46) und Kris (45) Rose, setzen alle Hebel in Bewegung, um den Traum ihres Sohnes zu verwirklichen. Dafür sind sie sogar bereit, ihr ganzes Leben umzukrempeln und für Adam nach Europa zu ziehen.

Als Kind bereits verliebt

Die klassische Musik hatte es Adam immer schon angetan. Schon als Sechsjähriger rügte Adam seinen Vater für dessen nicht vorhandenes Singvermögen: „Dad, deine Singstimme ist schrecklich. Bitte, sing nicht.“ Einzig ein Schlaflied („Hush hush little baby“) wurde John weiterhin gestattet. Da drückte der musikalische Bub gerade noch ein Auge zu. Als ihn seine Großmutter dann zum neunten Geburtstag in ein Konzert der Sängerknaben mitnahm, war es Liebe auf den ersten Blick. „In dem Augenblick, als ich diese Stimmen hörte, war mir klar, dass ich da auch hinwill“, sagt Adam.

Als die Eltern schließlich diskutierten, in welches Gymnasium Adam gehen solle, erklärte er ihnen ohne Umschweife: „Mum, Dad, wir brauchen gar nicht weiterreden. Denn im nächsten Jahr werde ich in Wien sein.“

Gesagt, getan. Obwohl er beim Vorsingen so nervös war wie noch nie in seinem Leben, konnte Adam die Jury zu überzeugen.

Seit Jänner wohnt der amerikanische Junge nun im Internat der Wiener Sängerknaben. Im Augarten, im 2. Wiener Gemeindebezirk. Dort besucht Adam derzeit die vierte Klasse Volksschule. Im Herbst beginnt er mit dem Gymnasium – dann darf Adam auch in einem der vier Chöre singen und mit den Sängerknaben um die ganze Welt reisen.

Zeit, die Eltern zu sehen, bleibt ihm aber auch heute schon nur am Wochenende und am Mittwochnachmittag. „Aber mittwochs ist er immer ganz unruhig, wenn wir nicht um Punkt sieben retour sind. Dann ist nämlich Spielstunde im Turnsaal, und die will er nicht verpassen“, erzählt John. Trotz der Sprachbarriere hat sich Adam bereits gut integriert. „Auch sein Deutsch verbessert sich ständig“, sagt Kris.

Familienleben

Dann wäre da nur noch die Kleinigkeit mit der Organisation des Familienlebens. Denn wenn der Sohn 14 Stunden Flugzeit von zu Hause weg wohnt, bringt das einige Schwierigkeiten mit sich. Momentan haben die Eltern ein Visum für die nächsten sechs Monate. Wie es dann weitergeht, ist noch unklar. John ist Elektroingenieur, seine Firma hat ihm ange­boten, in die Filiale nach München zu wechseln. Doch auch wenn das nichts wird, wird Adam in jedem Fall bestmöglich unterstützt. „Es ist schwierig, dem eigenen Kind nicht zu helfen, seinen Traum zu verwirklichen“, sagt John.Der Einsatz der ganzen Familie scheint sich zu lohnen. Obwohl Adam erst knapp zwei Monate dabei ist, durfte er bei dem Stück „Die 4 Asse“, das im muth, dem neuen Konzertsaal im Augarten, aufgeführt wurde, den Diener Unkiwunki spielen. Ein Auftritt, auf den Adam sehr stolz ist: „Wenn ich singe, fühle ich mich einfach wohl in meinem Körper“, sagt er – und fängt zwischendurch immer wieder zum Singen an. Leise, aber klar und deutlich.

Wiener Sängerknaben

Geschichte: Die Wiener Sängerknaben sind der älteste Knabenchor der Welt, der keiner Kirche angehört. Er wurde von Kaiser Maximilian I. gegründet und ist heute in Privatbesitz.

Wer darf mitmachen? Der Chor hat seine eigene Schule und sein eigenes Internat. Im Kindergarten und in der Volksschule sind auch Mädchen zugelassen. Das Gymnasium dürfen dann nur mehr die Knaben besuchen.

Derzeit gibt es rund 100 Buben, die in vier verschiedenen Chören singen. Die Chöre sind gleichrangig und haben je einen Kapellmeister und ein Erzieherteam. Die Sängerknaben sind etwa zehn Wochen pro Jahr auf Tournee. Insgesamt absolvieren sie jährlich an die 300 Auftritte mit etwa einer halben Million Zuschauer.

Multikulturell: Im Chor singen Knaben aus aller Welt. Momentan stammen rund 25 Prozent nicht aus Österreich.

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