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Wiener Philharmoniker
03/05/2014

Lieber von Investition als von Subvention sprechen

Orchestervorstand Clemens Hellsberg und Geschäftsführer Dieter Flury über die USA-Gastspiele.

von Gert Korentschnig

Schon das erste Konzert war so überwältigend, dass meine Traurigkeit, dass ich nicht mitspielen konnte, leichter zu überwinden war", sagt Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg zum KURIER.

Das Konzert: Der Auftakt zur großen Gastspielserie des Orchesters in der New Yorker Carnegie Hall mit Beethovens Neunter. Mittlerweile wurden ein weiteres Konzert und zwei konzertante Opern – "Wozzeck" von Alban Berg und "Salome" von Richard Strauss – triumphal absolviert. Hellsberg konnte auf dem Podium des renommierten New Yorker Hauses nicht zur Geige greifen, weil er noch an den Folgen eines Trümmerbruches im linken Ellbogen laboriert. Aber auch in New York ging er regelmäßig zur Therapie, um bald wieder spielen zu können.

Beim Beethoven-Konzert und den beiden Opern handelte es sich um die ersten gemeinsamen Auftritte von Philharmonikern und Wiener Staatsoper im Ausland. Hellsberg: "Das ist der Beweis für die wunderbare Symbiose, die wir bilden. Seit vier Jahren wird sie wirklich gelebt." Da hat Dominique Meyer sein Amt als Opernchef angetreten. Hellsberg: "Dabei geht es nicht nur um technische Arrangements, sondern auch darum, für den anderen mitzudenken – in Hinblick auf ein gemeinsames Ziel." In New York ist das bestens geglückt.

Drei Wochen auf Reisen

Mittlerweile ist das Orchester weitergereist zu sechs Konzerten nach Kalifornien, um danach wieder für drei Auftritte in die Carnegie Hall zurückzukehren. Mehr als drei Wochen sind die Musikerinnen und Musiker auf Reisen. Insgesamt werden 26 Werke von 24 Komponisten aufgeführt.

Dass auch an der New Yorker MET noch diese Woche "Wozzeck" gespielt wird – mit Thomas Hampsons Debüt in der Titelpartie – empfindet Hellsberg nicht als Konkurrenz, sondern als "reizvollen Vergleich".

Bei einem Symposium in New York, an dem Hellsberg teilnahm, ging es um die Geschichte der Stadt Wien, auch in der NS-Zeit, und der Wiener Philharmoniker. "Es ist ein persönliches Verdienst von Clemens Hellsberg, so viel für die Aufarbeitung getan zu haben", sagt Orchester-Geschäftsführer Dieter Flury. In der NS-Zeit waren fast 50 Prozent der Musiker Mitglieder der NSDAP. Flury: "Jeder muss sich fragen, wie er selbst reagiert hätte. Bei einem Orchester wie den Philharmonikern schaut man natürlich genau hin."

Was die aktuelle Finanzdebatte rund um die Bundestheater betrifft, sagt der Geschäftsführer: "Österreich ist ein Land, das sich in erster Linie über Kultur definiert. Dafür müssen alle Flaggschiffe Schulter an Schulter kämpfen." Hellsberg wiederum findet eine sprachliche Präzisierung des Salzburger Schauspielchefs Sven-Eric Bechtolf sehr gelungen: "Der Begriff Subvention ist falsch.Es handelt sich um eine Investition. Ich unterstütze Bechtolf zu 100 Prozent, wenn er das sagt."

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