„Kings of War“: Ein fabelhaftes Ensemble klopft Shakespeares Dramen auf ihre Aktualität hin ab

© Jan Versweyveld

Die Politik ist und bleibt ein Drecksgeschäft
06/06/2015

Die Politik ist und bleibt ein Drecksgeschäft

"Kings of War": Ivo van Hove lässt Shakespeares "Heinrich V.", "Heinrich VI." und "Richard III." in einem War Room unserer Tage spielen.

von Peter Jarolin

Der eine schlägt die Schlacht von Azincourt, besiegt die Franzosen. Der andere wahrt die Macht im besten Buchhalter-Stil und wird letztlich ein Opfer seiner eigenen Bigotterie. Und der Dritte, ja, der Richard, der nimmt sich alles, brutal und gnadenlos. Doch sein Untergang ist vorprogrammiert. Denn die "Kings of War" mögen vieles sein – Herrscher auf Dauer sind sie gewiss nicht. Das unbarmherzige Rad der Geschichte aber dreht sich dennoch weiter, bis zum heutigen Tag ...

House of Cards

Im Jahr 2008 hat der niederländische Regisseur Ivo van Hove mit seiner (großartigen) Amsterdamer Toneelgroep unter dem Titel "Römische Tragödien" einige Dramen William Shakespeares anhand von Cäsar, Cleopatra und Co. auch bei den Wiener Festwochen auf ihre Aktualität hin abgeklopft. Im MuseumsQuartier (Halle E) wiederholt Ivo van Hove dieses Unterfangen mit "Kings of War" und zeigt, dass die Serie "House of Cards" auch perfekt in der englischen Historie verankert sein könnte.

Drei Dramen ("Henry V.", Henry VI." und den gefürchteten "Richard III.") hat Van Hove zu einem Abend gebündelt, der bis zur Pause (Vorsicht: Man wird hier erst weit nach Mitternacht aus den britischen Thronfolge-Kriegen entlassen) grandios funktioniert, im letzten Teil aber ebenso spektakulär absäuft.

In einem War Room (Bühne: Jan Versweyveld) sitzt Heinrich der Fünfte, ein Krieger, der so auch problemlos als Herrscher des 21. Jahrhunderts durchgehen könnte. Umgeben von einem Apparat an Speichelleckern und Technokraten der Macht. Das rote Telefon – er wird es brauchen, denn Diplomatie hat gegen die Franzosen ausgedient. Etwas gemütlicher hat es Heinrich der Sechste in einer Art Wohnzimmer. Nur das Bett ist seine Zufluchtsstätte, wenn es um Entscheidungen geht. Gemordet wird via Video-Wall (tolle Close-ups!), die Frauen sind gierig, die Männer sind (macht-)geil. Sensationell bringen Van Hove und seine brillanten Darsteller Shakespeare da zum Leben, das ist aktuell, kompromisslos und zeigt das "Drecksgeschäft Politik" gnadenlos. Jeder gegen jeden, jeder mit jedem, was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern – so lautet die Botschaft. Die allerdings zuletzt versandet.

Denn mit "Richard III." nimmt es Van Hove dann zu genau. Statt der Leichtigkeit und Schärfe der anderen beiden Stücke will der Theatermacher diesem so multiplen Charakter auf den Grund gehen und dekliniert das Stück in aller Langatmigkeit durch.

Nach Richards Telefonaten mit Obama, Merkel und Putin sehnt man ein Ende herbei, trotz der fabelhaften Musik (vom Countertenor bis zum DJ), trotz überragender (aufrichtiges Gesamtlob an alle!) Schauspieler. Am Ende stirbt Richard Stück-gemäß, nach viel Blabla. Schade, ein zynisches Ende wäre da besser gewesen.

KURIER-Wertung:

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