Wien Museum: Kampf um Freiraum

Arena besetzt“, 1976Foto: Heinz Riedler / Sammlung Wien MuseumHeinz Riedler / Sammlung Wien Museum
Foto: Heinz Riedler Die Arena wurde 1976 zur Mutter aller Schlachthof-Besetzungen

Die Ausstellung "Besetzt" zeigt die Geschichte des Kampfes um die Stadt - inklusive Nachhilfe für Hausbesetzer und Spätgeborene.

Bei uns hat’s a Sau / viel besser als a Mieter im Gemeindebau", dichtete der bärtige Mann im Holzfällerhemd, den eine "Ohne-Maulkorb"-Doku während der Wiener Arena-Besetzung im Sommer 1976 filmte. Als dann ein "Venceremos!" angestimmt wurde, schaute sich der eine Arena-Besetzer die Gitarrenakkorde rasch von den Nachbarn ab.

So war er also, der bislang für die österreichische Subkultur bedeutendste Sommer. Wer ihn im Mutterbauch verbracht und seine kulturelle Prägung erst in den ironiegestählten 1990er-Jahren erfahren hat, kann nicht umhin, angesichts der erhaltenen Bilder zu schmunzeln. Aber: Die Schau "Besetzt – Kampf um Freiräume seit den 70ern" (bis 12.8.) ist weit davon entfernt, nur Kuriositäten zu dokumentieren.

Friedlich

Die Ausstellung, die neben der Arena-Bewegung und der Besetzung des Amerlinghauses in Wien-Neubau 1978 auch selbstverwaltete Räume wie die "Aegidi-Spalo" oder die Gassergasse (kurz GaGa) in Erinnerung ruft, zeigt eher eine Unzufriedenheit, die sich aus der Sphäre belächelter Randphänomene immer wieder ins Bewusstsein der Allgemeinheit drängen kann.

In Wien, so macht die Ausstellung auch klar, ging der Konflikt zwischen Unzufriedenen und Verwaltungsapparat traditionell eher friedlich aus – sieht man von einigen polizeilichen Räumungen ab. Die Rolle der Wiener Vizebürgermeisterin Gertrude Fröhlich-Sandner in den 1970ern wird in der lese-intensiven, aber nie überfrachteten Ausstellung ebenso gewürdigt wie jene des im Vorjahr verstorbenen "sanften Anarchisten" Dieter Schrage.

Den Schritt in die Gegenwart tut die Schau, die von einem formidablen Katalog (Czernin Verlag, 24 €) begleitet wird, nicht: Wenn heute von der Besetzung urbaner Räume durch ein junges Publikum die Rede ist, denkt man zuerst an kaufkräftige "Hipster" und "Bobos", die – oft unwissentlich – als Vorhut der Immobilienbranche agieren. Der Konflikt zwischen ihnen und den Hausbesetzern alter Schule ist in den Städten schon längst spürbar – bis er museumsreif wird, dürfte es aber noch eine Weile dauern.

(kurier) Erstellt am
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