Südstrand von Abbazia, 1911
Erwin Pendl
Farbdruck nach Aquarell
Sammlung Samsinger, Wien

© IMAGNO/ARCHIV DR. SAMSINGER IMAGNO/Wien museum

Wien Museum
11/16/2013

Der Gemeinderat auf Sommerfrische

Eine neue Ausstellung zeigt, wie die Wiener die Adriaküste touristisch kolonisierten

von Barbara Mader

Es gibt Dinge, die hat es immer schon gegeben.

Etwa, dass der Wiener Gemeinderat gerne reist. Selbstverständlich nur zu Recherchezwecken.

Das Wien Museum erinnert jetzt in der Ausstellung „Österreichische Riviera“ daran, wie die Wiener (unter ihnen auch die Rathausmitarbeiter) das Meer entdeckten. Teils kuriose, teils nostalgische Objekte (u. a. Einrichtungsgegenstände aus Hotels) und Fotografien veranschaulichen, wie die Wiener die Küstenorte der Adria zwischen 1890 und 1914 erstmals touristisch kolonisierten. Zu den Zentren zählten Abbazia, Triest und Grado, aber auch südliche Küstenstädte wie Split und Dubrovnik.

Wiens Bürgermeister Karl Lueger ist auf einer Fotografie von 1909 in Lovran zu sehen, sonnenbebrillt an einer Felsküste sitzend. Auf einem anderen Bild rekeln sich Wiener Gemeinderäte gemütlich in Liegestühlen während einer Schiffsreise nach Istrien. Das Mittelmeer als Kurort erschien Ende des 19. Jahrhunderts dem Wiener Rathaus auch der richtige Ort, um für seine Bediensteten Erholungsheime zu errichten.

Bilder der Ausstellung

Abbazia

wienmuseum…

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Und so hat es auch seine Tradition, dass die Wiener gern auf den flachen Stränden in Grado im Sand wühlen: spätestens seit 1870, als das Fischerdörfchen Grado von Ärzten als Kurort entdeckt wurde.

Der Ausstellungparcours, der dem Prinzip einer Rundreise folgt (Idee und Konzept: Christian Rapp und Nadia Rapp-Wimberger), erläutert auch diesen – gar nicht nostalgischen – Hintergrund: Neben den wenigen Reichen waren es vor allem tuberkulöse Kleinkinder, die an die Küste geschickt wurden.

Auch die Bezeichnung „Riviera“ entstand im Zusammenhang mit Gesundheitstourismus. Metereologischen Messungen zufolge war das Klima jenem der französischen Riviera ähnlich. Die Aneignung des „Riviera“-Gütesiegels war eine gelungene Marketing-Strategie.

Wien-Museum Chef Wolfgang Kos schöpft zu Erläuterung des Imagetransfairs aus seinem Erinnerungsfundus: Er habe noch die Erzählungen seiner Großmutter im Ohr, die einmal in ihrem Leben, nämlich 1914 an der Adria im einstigen k.u.k.-Nobelkurort gewesen sei, der heute Portorož heißt. Damals verwendete man den italienischen Namen Portorose. „Meine Großmutter, die nicht aus der Oberschicht stammte, sprach das auf Französisch aus: ,Portoroooos‘“.

Blick aufs Meer

Die Ausstellung beginnt mit dem Bau der Südbahn. 1877 wurde der Bahnhof in Triest eröffnet. Nach zwölf Stunden Bahnfahrt erblickten die Wiener das Meer zum ersten Mal. Zu Ende geht die Schau kurz vor dem Ersten Weltkrieg. 1913 fand in Wien noch eine große Adria-Ausstellung im Wiener Prater statt. Ein Themenpark mit einem 40 Meter hohen Campanile und ein künstlicher See sorgten für Flair. Geblieben ist ein Name: Venediger Au.

Info: Österreichische Riviera. Wien Museum Karlsplatz. Di. bis So. und Feiertag. Eintritt. 8 €. www.wienmuseum.at

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