Sitcom-Oper: Die Wien-Premiere (Teil 1-3 wurden im Sommer schon in Bregenz gezeigt) fand, für die Handlung stimmig, am Halloween-Abend statt.

© © Markus Sepperer

Heavy Metal für den fetteren Halloween-Kürbis
11/02/2014

Heavy Metal für den fetteren Halloween-Kürbis

Kritik: Der Auftakt zur Sitcom-Oper "Das Leben am Rande der Milchstraße" im Konzerthaus.

von Peter Temel

Um 20.15 Uhr, also zur besten TV-Sendezeit, wurden am Freitag bei Wien Modern die ersten drei Folgen der Sitcom-Oper "Das Leben am Rande der Milchstraße" gezeigt. Das obligate Sofa steht in dem neuartigen Musiktheaterprojekt im sogenannten EBF, Milchstraße 142a. Der fiktive Thinktank zur Zukunft Europas wird von dem glatten EU-Agenten Leo Maria Bloom und dessen Praktikantin Imogen Wirth einer Prüfung unterzogen.

Durch die Verquickung alltäglicher Behördensprache ("E-va-lu-ie-rung!" oder "Gut arbeitet das Team!") mit bedeutungsvollem Operngestus entsteht absurde Komik. Einzelne Figuren der Bürofamilie, wie der Nerd Kevin von Szécheny (schräg: Bernhard Landauer), oder der brummige Bürochef und Vogelkundler Jürgen Oder (Nicholas Isherwood mit Ultratiefbass), haben durchaus komödiantisches Potenzial.

Als eigentliche Hauptfigur entpuppt sich Theresa Dlouhy in der Rolle der ambitionierten, arienträllernden Praktikantin. Konturlos hingegen sind Benjamin Appl als Bloom und Anna Clare Hauf als Büromama Donatella Weyprecht. Schrill, auch in den Höhen: Bibiana Nwobilo als Revoluzzerin Yumi Desphande.

Szenenfotos: Das Who-is-Who im EBF

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Popkultur

Komponist Bernhard Gander kann in dem ambionierten Projekt sein Faible für Popkultur ausspielen. Seine zurückhaltend eingesetzten, rhythmisierenden Leitmotive, gespielt vom Ensemble Phace mit sechs tiefen Orchesterinstrumenten und einer E-Gitarre, stellen sich allerdings in den Dienst der Textverständlichkeit. Nach etwas schleppender Einführung (Regie: Nicola Raab) kommt es bei einer Halloween-Büroparty dann zum temporeichen Battle zwischen Wagner und Heavy Metal: Welche Musik lässt Kürbisse schneller wachsen?

Freunde skurrilen Humors werden also gut bedient. An spannenden Konflikten und griffiger Sozialkritik mangelt es allerdings. Was für eine TV-Sitcom zwar nicht zwingend erforderlich ist, aber das Interesse am Geschehen auf der Bühne erhöhen würde. Noch geht es hier um zu wenig.

Ob es in dieser Tonart weitergeht, kann am 7. und 8. November bei der Fortsetzung im Berio-Saal des Wiener Konzerthauses überprüft werden. Das Finale, auch von Wien Modern, folgt dann am 21. November.

KURIER-Wertung:

TIPP: Umfangreiche Infos zum Projekt, mit fiktiven Biografien zu den Figuren, finden Sie auf www.wienmodern.at.

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