Kultur
05.12.2011

Wien ehrt Heribert Sasse und Erich Schleyer

Die Schauspieler Heribert Sasse und Erich Schleyer wurden am Mittwoch für ihre Verdienste mit dem goldenen Verdienst- bzw. Ehrenzeichen ausgezeichnet.

Die Schauspieler Heribert Sasse und Erich Schleyer sind am Mittwoch von der Stadt Wien mit goldenen Auszeichnungen gewürdigt worden. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny lobte die beiden bei der Verleihung im Wappensaal des Rathauses als "zwei der vielleicht wohl Verdientesten der Wiener Kulturszene". Der Ressortchef betonte: "Das Wiener Theaterleben wäre um vieles ärmer, wenn es Sie nicht gäbe."

Dem österreichischen Schauspieler und Regisseur Sasse händigte Mailath-Pokorny das "Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien" aus. Die Laudatio hielt Gerald Bauer, Chefdramaturg im Theater der Jugend. "Eine Annäherung an das Phänomen Sasse funktioniert nicht linear, sondern man kann nur in konzentrischen Kreisbewegungen über ihn sprechen. Er ist nicht auf den Punkt zu bringen", stellte er zu Beginn seiner Rede fest.

Sasse wurde am 28. September 1945 in Linz geboren und studierte nach einer Elektrotechnikerlehre am Max-Reinhardt-Seminar Schauspiel. 1968 debütierte er am Wiener Volkstheater, 1969 führte er in einem Münchner Kellertheater erstmals Regie. Der 66-Jährige hatte im Laufe seiner Karriere auch mehrere Intendanzen inne, u.a. die des Berliner Renaissancetheaters. Seit Mitte der 2000er-Jahre wirkt er in Wien, zunächst am Volkstheater, dann am Theater in der Josefstadt, wo er seitdem mit Schauspiel- und Regieaufgaben betraut ist. Sasse spielte auch in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit, etwa in "Falco - Verdammt, wir leben noch" (2008), "Jud Süß - Film ohne Gewissen" (2010). Auch in TV-Serien wie "Trautmann" oder "Tatort" war er zu sehen.

"Eine große Ehre"

Neben Sasse wurde heute auch der in Wien lebende Schauspieler, Autor und Fotograf Schleyer mit dem "Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien" bedacht. Der Verleger Werner Brunner würdigte in seiner Rede das Leben und die beruflichen Erfolge des Geehrten. Er betonte dabei: "Ganz gleich, was du spielst, du holst mit deinen großen schauspielerischen Fähigkeiten immer das beste für deine jeweilige Rolle heraus, reißt manchmal auch Kollegen mit, die halt nicht gerade so gut drauf sind, oder mit der Aufgabe nicht so gut zurecht kommen."

Schleyer wurde am 1. März 1940 in Dresden geboren. Er absolvierte eine Schauspielausbildung und stand anschließend auf zahlreichen Bühnen in Deutschland. Populär wurde er mit Sendungen für Kinder. Die TV-Serie "Das feuerrote Spielmobil" machte ihn in Deutschland bekannt, später setzte er seine Fernseharbeit für und mit Kindern in Österreich etwa mit den Sendungen "Erichs Chaos" oder "Der schiefe Turm" im ORF fort. In Wien feierte er auch auf der Bühne, so etwa im Volkstheater, im Burgtheater und im Schauspielhaus, Erfolge.

Als Kinderbuchautor tat sich der 71-Jährige u.a. mit seinen "Spirello"-Geschichten hervor, weiters erschienen die "Katze Nora" (1987) oder "Verschleyerte Geschichten" (1998). Im Fernsehen war er unter anderem in den Serien "Tatort" und "Kommissar Rex" sowie im "Kottan"-Film "Rien ne va plus" (2010) zu sehen. Zudem ist Schleyer Fotograf.

Die beiden Geehrten freuten sich über ihre Auszeichnungen. Schleyer bedankte sich für "die große Ehre" und ging in seiner Dankesrede auch auf seine Beziehung zu Wien sein: "Diese Stadt ist ja etwas wunderbares. Sie ist so hervorragend geteilt: Man wird so gelobt und kriegt gleich so eine Watschn drauf." Sasse sinnierte über sein Leben: "Es war schon toll und es ist toll." Er gab sich jedoch besorgt, dass man Orden "vielleicht nicht wegen der eigenen Leistung, sondern wegen des Sinkens an Bildung irgendwann nicht mehr bekommt." Der Schauspieler führte dies weiter aus: " Weil die Gefährdung der Kultur, Herr Stadtrat, ist eine. Das wissen Sie so gut wie ich." Er forderte daher auf, in die Bildung der jungen Menschen zu investieren.