Harry McVeigh, Sänger der White Lies.

© EPA/Domenech Castelló

Kritik
11/06/2016

White Lies: Hymnisches Leid im Stroboskop-Gewitter

Die britische Indiepop-Band White Lies gastierte am Samstagabend in der Ottakringer Brauerei zu Wien. Pathos, Baby!

von Marco Weise

„I’m in love with a feeling“, singt Harry McVeigh im ersten Song, bei dem es um unerfülltes Liebesglück geht. Die Ausfahrt aus diesem Herz-Schmerz-Dilemma-Hamsterrad ist aber nicht ganz so einfach zu nehmen und daher bittet der Sänger der aus dem Londoner Stadtteil Ealing stammenden Indiepop-Band den lieben Gott gleich mehrfach um Hilfe: „Take It Out On Me“. Probieren kann man es ja: Hüft's nix, so schodt's nix. In einem ähnlich hoffnungslosen wie düsteren Tonfall geht es dann die kommenden 90 Minuten weiter. Man hört Hymnen zur Lage der gekränkten Seelen. Aber wer hat schon gesagt, dass das Leben einfach ist.

Dramen

Die Ottakringer Brauerei, die am Samstagabend bis auf den letzten Platz gefüllt ist, ist in Qualm und Dampf der unermüdlich arbeiteten Nebelmaschine gehüllt. Das Licht ist gedimmt, die Neonröhren auf der Bühne flackern nur dann auf, wenn der Refrain ansteht. Diese depressive Stimmung passt dann auch ganz gut zu Songtiteln wie „Death“ oder „To Lose My Life“. Es sind Nummern ihres ersten Albums aus dem Jahr 2009, das die Band auf Platz 1 der UK Charts spülte. Darauf finden sich vierminütige Minidramen, die das Trio, das live von einem Typ am Synthesizer begleitet wird, abliefert. Musikalisch wandeln die Twentysomethings dicht auf den Spuren von Bands wie „Ultravox“ und „Echo & The Bunnymen“ – es ist ein von New Wave, Post-Punk und Synthiepop der Frühachtziger geprägter Sound, der zum Melancholischen neigt.

Auf dem kürzlich veröffentlichten, vierten Longplayer mit dem Titel „Friends“ ziehen sie die Depression aber durch ein gut gezuckertes Klangbad. Songs wie „Is My Love Enough?“ oder „Hold Back Your Love“ erinnern an Discoschlager im Geiste von Erasure, Pet Shop Boys - in den schmalzigsten Momenten an Toto („Africa“) und Hall & Oates („Kiss On My List“). Dazu tanzte man in den Landdiscos der 80er-Jahre gerne eng. Hose an Hose. So richtig überzeugen können einen die White Lies damit aber nicht. Besser gelingt ihnen das mit einer neuen Version vom Song „E.S.T.“, in dem ratternde Beats von einem metallisch klingenden Bass begleitet werden und die elektronisch synthetisierte Finsternis aus der Konserve den guten Rest erledigt. Zum Stroboskop-Gewitter stirbt die Band dann den Bühnen-Tod. Das wird eifrig vom mehrhheitlich jugendlichen Publikum textsicher besungen, betanzt und beklatscht. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

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