Ville Tietäväinen erzählt mit Rachids – fiktivem – Leidensweg eine Geschichte, wie sie so oder so ähnlich nahezu täglich passiert.

© / Pertti Nisonen

Graphic Novel
06/16/2014

Wenn die Festung Europa über das Meer und in den Tod lockt

"Unsichtbare Hände" erzählt eine fiktive, aber exakt dokumentierte Geschichte über das Geschäft mit der Hoffnung.

von Barbara Mader

Die Namen, die ihnen die alten Fischer aus den Hafenstädten Marokkos geben, klingen so harmlos: Die naghaze, die launischen kleinen Wellen, und die sharaj, die Ostwinde. Doch wenn sie ein Schiff überraschen, dann ist dessen Besatzung verloren. Und doch versuchen jedes Jahr zehntausende afrikanische Flüchtlinge, über das Mittelmeer in das verheißungsvolle Europa zu kommen. Denn die Festung Europa lockt: "Wenn etwas so geschützt ist, muss es wertvoll sein, oder?" , fragt sich auch der Tagelöhner Rashid, der in den Armenvierteln von Tanger um das tägliche Überleben kämpft. Um seine Familie zu versorgen, begibt sich Rashid auf die "Harraga", die illegale Einreise in die Europäische Union. Für den Traum von einem besseren Leben verpfändet er seine Zukunft: Als "Schuldknecht" ohne Rechte muss er auf den Treibhausplantagen im spanischen Almeria die Kosten für seine Reise abarbeiten.

Der finnische Autor und Illustrator Ville Tietäväinen erzählt mit Rachids – fiktivem – Leidensweg eine Geschichte, wie sie so oder so ähnlich nahezu täglich passiert. Für seine aufsehenerregende Graphic Novel "Unsichtbare Hände" hat Tietäväinen in Marokko und Spanien recherchiert und mit Flüchtlingen, Schwarzarbeitern, Grenzbeamten und Menschenhändlern gesprochen. Fünf Jahre hat der Comicautor an diesen 215 großformatigen Seiten gearbeitet.

Vor drei Jahren erschien Tietäväinens Comic in Finnland und wurde mit dem höchsten Kulturpreis des Landes ausgezeichnet. Aber auch heftig diskutiert: Tietäväinens Erzählweise galt manchen als zu brachial. Dennoch avancierte das Buchzu einem Bestseller und löste eine Debatte über die EU-Flüchtlingspolitik aus.

Pro Asyl

Im März ist das aufwendig gestaltete Buch auf Deutsch erschienen. Zwei Euro pro verkauftes Buch gehen an die Hilfsorganisation Pro Asyl.

So schonungslos Tietäväinen das erschreckende Ausmaß der Situation der Flüchtlinge zeigt, die auf dem Weg nach Europa ertrinken oder in Spanien unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten – seit sein ergreifender Comic erschienen ist, hat sich die Situation für die Flüchtlinge noch verschlimmert: Schon jetzt haben seit Anfang des Jahres mehr als 45.000 Menschen versucht, über das Mittelmeer nach nach Europa zu kommen.

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