Ein "Weltbild" ohne Schwule

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Foto: Screenshot: Icon Empire Press

Die deutsche Weltbild-Mediengruppe verbannt einen Verlag für schwule Literatur - S/M gibt es aber weiterhin.

Darf ein katholischer Verlag erotische Literatur führen? Die Antwort scheint im Falle des deutschen Weltbild-Verlags "Jein" zu sein. Gab es in den vergangenen Jahren vor allem aus konservativen katholischen Kreisen Kritik an Weltbild, weil es dort auch weltliche Literatur aus dem Erotik- und auch Esoterikbereich zu kaufen gab, trennte man sich von einem Teil des Verlags. Damit wurden Werke wie "Schlampen-Internat" oder "Anwaltshure" aus dem Portfolio verbannt.

Nun nimmt Weltbild auch die Bücher von Icon Empire Press, einem kanadischen Verlag für schwule Literatur, aus dem Programm. Gegenüber Spiegel Online äußerte sich eine Sprecherin: "Wir bitten aber um Verständnis, dass wir uns wie andere Buchhändler auch vorbehalten, einzelne Titel und Verlage aus unterschiedlichsten Gründen nicht zu führen."

Gegenüber dem betroffenen Verlag verwendet Weltbild hingegen eine direktere Wortwahl: "Als eine Firma, die der katholischen Kirche in Deutschland gehört, widmet sich unsere Leitung eher traditionellen Werten", heißt es in einem Mail an Icon Empire Press, die ebenfalls Spiegel Online zitiert. Diese reagierten enttäuscht und halten die Entscheidung für "Heuchelei".

Zweierlei Maß

Tatsächlich wird bei Weltbild anscheinend mit zweierlei Maß gemessen, denn erotische Literatur findet sich noch immer zuhauf auf dem Versandportal. Liefern Suchwörter wie "Erotik" oder "Sex" zwar kein einziges Ergebnis, kann man hingegen den S/M-Bestseller "Shades of Grey" in allen möglichen Versionen - sowohl digital, gedruckt als auch Hörbuch - erwerben. Ebenfalls finden sich unzählige Bücher, die diese Sado-Maso-Literatur-Welle mit sich brachte.

Aber schwule Literatur ist nicht okay? Gegenüber Stern.de sagte die Verlagssprecherin: "Das Thema ist einfach sehr komplex und vielschichtig. Das hat einfach viele Seiten."

"Säuberungsaktion"

Homosexuelle Blogger sehen hinter der Entscheidung des Verlags eine "Säuberungsaktion", wie queer.de schreibt. Demnach war das Buch "Schwule Liebesgeschichten aus aller Welt" von Robert Joseph Greene Anlass für den Ausschluss.

Der Verlag, der auch Anteile an Buchketten wie etwa Hugendubel und Wohlthat hält und zu dem die Vertriebsmarken Weltbild, Jokers, KIDOH und buecher.de gehören, setzte zuletzt fast 1,7 Milliarden Euro im Jahr um. Damit ist Weltbild in Deutschland der zweitgrößte Online-Buchhändler hinter Amazon und der drittgrößte Versandhändler Deutschlands.

(KURIER) Erstellt am
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