Kultur
02.03.2018

Weinstein Company steht nun doch vor Übernahme

Eine Investorengruppe verspricht einen Entschädigungsfonds und eine neue Unternehmenskultur für Harvey Weinsteins Produktionsfirma.

Die vor der Insolvenz stehende Produktionsfirma des ehemaligen Hollywood-Moguls Harvey Weinstein hat nun doch noch einen Investor gefunden. In Übereinstimmung mit der New Yorker Staatsanwaltschaft sei eine Übereinkunft zur Übernahme der Weinstein Company erzielt worden, teilte eine Investorengruppe unter Leitung von Maria Contreras-Sweet und dem Milliardär Ron Burkle am Donnerstag mit.

Firma stand bereits vor Verkauf

Das neue Unternehmen werde seine Lehren aus der #MeToo-Debatte ziehen, erklärte Contreras-Sweet. In Folge des Missbrauchsskandals um Harvey Weinstein drohte dessen langjähriger Produktionsfirma die Pleite. Vor knapp drei Wochen stand sie schon einmal kurz vor dem Verkauf an die Gruppe um Contreras-Sweet, doch wurde die Übernahme von einer Klage des New Yorker Staatsanwalts Eric Schneiderman erschwert, die sich gegen Harvey Weinstein, dessen Bruder Bob und die Weinstein Company richtet.

Schneiderman wirft dem Unternehmen jahrelange Versäumnisse beim Schutz von Mitarbeiterinnen vor sexueller Belästigung vor. Mit der Klage wollte er nach eigenen Angaben sicherstellen, dass die Opfer entschädigt und Angestellte geschützt würden und sich weder Täter noch Mitwisser „unberechtigterweise bereichern“ könnten. Vor allem forderte er, dass dem neuen Vorstand keine Manager mehr angehören dürften, die für die alte Unternehmenskultur mitverantwortlich waren.

Klage bleibt aufrecht

Geplant sei nun ein neues Studio mit einem neuen Vorstand, der sich mehrheitlich aus „unabhängigen Frauen“ zusammensetze und für eine völlig neue Unternehmenskultur eintrete, erklärte Contreras-Sweet. Sie versprach, rund 150 Arbeitsplätze zu retten, mittelständische Gläubiger auszuzahlen sowie einen Entschädigungsfonds zu schaffen. Contreras-Sweet war unter US-Präsident Barack Obama für kleine und mittelständische Unternehmen zuständig. Sie führt bereits seit dem Herbst Verhandlungen mit der Weinstein Company.

Schneidermans Büro begrüßte die Vereinbarung. Es kündigte an, vor der endgültigen Unterzeichnung des Übernahmevertrags sicherzustellen, dass „alle Parteien ihre Zusagen einhalten“. Die Klage gegen die Weinstein Company hält der Staatsanwalt demnach weiter aufrecht.

Am vergangenen Sonntag sah es zunächst so aus, als seien die Verhandlungen mit der Investorengruppe endgültig gescheitert. Daraufhin hatte der Vorstand der Weinstein Company angekündigt, in den Konkurs zu treten. Weinstein war kurz nach Bekanntwerden der ersten Missbrauchsvorwürfe im Oktober von seiner Produktionsfirma entlassen worden. Inzwischen werfen mehr als hundert Frauen, darunter zahlreiche Stars, dem 65-Jährigen vor, sie sexuell belästigt oder vergewaltigt zu haben. Weinstein beteuert bis heute, keine sexuelle Gewalt gegen Frauen angewandt zu haben.