"Was uns bindet": Pensionisten­hölle im Ehegefängnis

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Foto: /FILMgarten Vererbtes Haus mit Schimmel an der Wand: "Was uns bindet"

Ivette Löckers entwaffnendes Familienporträt zwischen Schmerz und Komik.

Man kennt das aus David Lynchs "Blue Velvet": In romantischer Zeitlupe entfaltet sich das beschauliche Leben in einem ländlichen Vorort. Gartenschlauchidylle und Blumenbeetpoesie. Doch wenn man genauer hinschaut, gähnen hinter die Abgründe hinter den Fassaden.

Ivette Löcker beginnt ihre umwerfende Doku über den Ort ihrer Kindheit mit ähnlich lyrischen Bildern: Bei strahlendem Sonnenschein mähen ihre Elten den Rasen und schneiden blühende Blumen. Doch kaum sitzen die Alten gemeinsam am Familientisch, bricht der offene Hass aus. Löckers Eltern bewohnen zwar ein freundliches Haus – doch was zuerst nach Rentnerglück aussieht, entpuppt sich bald als Pensionistenhölle im Ehegefängnis.

Was es bedeutet, dorthin zurück zu kehren und ein halbes Bauernhaus (mit Schimmel an der Wand) zu erben, erzählt die im Lungau geborene und in Berlin ansässige Regisseurin mit entwaffnender Schonungslosigkeit. Schmerzhafte Nähe und unüberwindliche Distanzen vermischen sich in ihrer Familienaufstellung zum vielgliedrigen Gefühlsgeflecht zwischen Komik und Trauer.

INFO:  Österreich 2017. 102 Minuten. Von Ivette Löcker.

KURIER-Wertung:

(kurier) Erstellt am
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