Dead Mall, 1975 erbaut – 2008 geschlossen, Ohio, USA

© /Seph Lawless

Architektur
08/25/2016

Was nach dem Kaufrausch kommt

Ein Buch und eine Ausstellung widmen sich der Geschichte und Zukunft von Einkaufszentren.

Man muss nicht durch die tristen Ruinen eines aufgelassenen Einkaufszentrums wandern, um es zu bemerken: Shopping Malls sind heute nicht mehr das, was sie einmal waren.

Es gibt sie freilich noch, die von der Außenwelt abgeschirmten, meist an der Peripherie von Städten gebauten Konsum-Fabriken, deren Prototyp der emigrierte Wiener Victor Gruen vor 60 Jahren nahe Minneapolis realisierte. Doch ebenso gibt es heute eine mit Indoor-Skipiste ausgestattete Riesen-Mall in Dubai, „Art Malls“ mit angeschlossenen Kunstmuseen in Beirut und Shanghai und spektakuläre, von Star-Architekten erbaute Einkaufstempel von Bern bis Peking.

Die Publikation und die gleichnamige Ausstellung „World of Malls – Architekturen des Konsums“ (bis 16.10., Pinakothek der Moderne München) erklärt diese Vielgestaltigkeit aus architekturhistorischer und stadtplanerischer Perspektive. Und sie lässt wenig Zweifel daran, dass der Wandel der Einkaufs-Kultur auch einen Wandel der Städte mit sich bringt.

Eine Wiener Erfindung

Die ursprüngliche Shopping Mall erwuchs aus dem US-amerikanischen Konsum-Boom der Nachkriegszeit, der mit (Auto-)motorisierung und Zersiedelung einherging. Gruen, im Herzen stets Wiener geblieben, wollte mit seinen Malls neue Zentren der Begegnung schaffen. Dass sich die Konsumtempel bald als Symbole der Amerikanisierung weltweit ausbreiteten und gewachsenen Innenstädten Leben absaugten, frustrierte den Architekten, der 1968 nach Wien zurückkehrte und dort den Grundstein für die heutige Fußgängerzone in der City legte, enorm.

Gerade in sich entwickelnden Ländern eifert man heute noch den Idealen amerikanischer Mega-Malls nach – möglichst groß und spektakulär, ohne Rücksicht auf öffentliche Erreichbarkeit und urbanen Kontext. Währenddessen hat anderswo das Pendel in eine andere Richtung ausgeschlagen. Online-Handel macht gerade bei den omnipräsenten Ketten viele Shops überflüssig, die Mobilität verlagert sich vielerorts weg vom Auto.

Nicht nur Shopping

Gleichsam, insistiert der Autor Alain Thierstein, verschwindet das Bedürfnis nach räumlicher Begegnung nicht. Und so lagern sich Einkaufszentren heute an Orte an, die verschiedene Formen der Erreichbarkeit anbieten: Die jüngsten Malls in Wien – am Haupt- und Westbahnhof sowie in Wien Mitte – bestätigen diesen Trend.

„World of Malls“ bietet auch Ausblicke auf Projekte, die derzeit in Planung oder Umsetzung sind: So wird am Flughafen Zürich seit 2015 „The Circle“ gebaut, ein Geschäftsviertel, das 2019 ein Zentrum für Reisende und Einheimische werden soll. Im kalifornischen Silicon Valley, in unmittelbarer Nachbarschaft des neuen "Apple Campus", plante der Architekt Rafael Viñoly auf den Ruinen abgewirtschafteter Malls das Projekt „The Hills“, das Shops, Büros, Wohnungen und ein Theater in einer parkartigen Anlage verbinden soll.

Diesen Trend zu „Quartieren“, in denen Shopping nur eine von vielen Nutzungen ist, sieht die MünchnerTU-Professorin Sophie Wolfrum im Buch positiv: „Es wird eine erneute Welle von Stadterneuerung auf uns zukommen, die überkommene monofunktionale Areale zur Disposition stellt“, schreibt sie. Darin liege eine „Chance für das Projekt des Städtischen“.

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