Kultur
05.12.2011

Warum Cartoonist Rudi Klein wenig lacht

Der Cartoonist freut sich, wenn er jemandem den Tag retten kann "auf diesem verschissenen Planeten".

Der Künstler Rudi Klein (aka Ruud, Ivan, Rudolf, in Deutschland sogar Rüdiger Klein) ist eine der prägendsten Figuren der österreichischen Cartoonszene. Im Juni wurde Klein 60, der Czernin Verlag veröffentlicht eine Werkschau und der 4. Wiener Bezirk feiert. Dem KURIER erzählte Klein, warum er wenig lacht und warum Optimismus die Welt nicht verbessert.

KURIER: Herr Klein, finden Sie Ihre Zeichnungen lustig?
Rudi Klein: In Ausnahmefällen. Ich lache relativ selten. Das hat mit einer langen Geschmacksentwicklung zu tun. Dadurch hat man weniger Spaß.

Erwarten Sie von den Betrachtern Ihrer Zeichnungen, dass die sie lustig finden?
Erwarten nicht. Es ist aber eine große Freude, wenn ich wo hinkomme, und dort hängt am Klo oder in der Küche eine Zeichnung von mir. Wenn ich sehe, jemand hat Freude dran. Das muss nicht unbedingt lachen sein. Es geht ja bei allen kulturellen Vorhaben darum, anderen Leuten Geschichten zu erzählen. Wenn die sich damit identifizieren können, ist das gut. Es rührt mich, wenn Leute mir sagen, dass ich ihren Tag gerettet habe. Da fühle ich meine Existenz bestätigt. Auf diesem verschissenen Planeten.

In Ihrer Autobiografie schreiben Sie, alles hätte mit Zierzeilen bei den Schulbrüdern begonnen. Gab es frühkindliche Förderung?
Also, bei den Schulbrüdern bin ich sicher nicht gefördert worden. Dort
hab' ich nur gelernt, dass mit dieser Religion was nicht stimmt. Das Zeichnen war eine Möglichkeit, anderen zu gefallen.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie sich für den richtigen Beruf entschieden haben?
Diese Berufswahl hat natürlich meinem Freiheitsdrang und Trotz entsprochen. Dass es in Wirklichkeit nicht so eine Freiheit bedeutet, ist mir langsam gedämmert. Es hätte auch andere Berufe gegeben. Vielleicht wäre ich als Archäologe oder Altwarenhändler glücklich geworden.

Es folgt eine kurze Unterbrechung des Interviews für zwei Anmerkungen:
1. Altwarenhändler ist Rudi Kleins Zweitberuf. Gerade hat er eine Uhr gekauft, bei einem Tandler im Waldviertel. Er hamstert Dinge, die ihm gefallen. Aber er ist kein Hardcoresammler. Er sammelt und verkauft wieder. "Uhren sollt' ich eh wieder einmal verkaufen, weil die sonst vergammeln. Uhren gehören getragen."
2. Zeichnen ist sein Hauptberuf, die Arbeitgeber - von FAZ bis zum Aktuellen Kreißsaalreport - füllen Listen. Es gibt aber auch Arbeitgeber, für die Klein nicht arbeiten würde. Wobei er Kompromisse machte: "Ich habe zwanzig Jahre lang die Werbewirtschaft verachtet und beschimpft, weil es mir unverständlich ist, wie man so viel Hirnschmalz für so einen Unsinn aufbringen kann, aber ich habe trotzdem für sie gearbeitet. Ich habe ein durchaus angebrachtes Schmerzengeld dafür bekommen."

Ihr größter Fehler?
Einer meiner Grundfehler ist, dass ich ehrlich bin. Wenn ich Scheiße sehe, kann ich nicht sagen, dass das gut schmeckt. Und es gibt wenig Leute, die mit Kritik umgehen können. Ich begründe meine Kritik ja auch, aber das kommt meistens nicht gut an."

Raunzen Sie gerne?

Nein. Aber ich kann diese Welt nicht als perfekt betrachten. Ich war einmal in einer deutschen Talkshow eingeladen zum Thema Optimisten - Pessimisten. Ich war natürlich als Pessimist da. Grantiger Wiener und so. Leider kannte ich damals das wunderbare Argument des Schweizer Schriftstellers Peter Bichsel noch nicht: Die Optimisten sind schuld an allem Übel auf der Welt. Oder haben Sie schon einmal einen pessimistischen Diktator gesehen? Es geht ja darum, die Welt zu verbessern. Wenn ich alles super finde, passiert nichts. Dieser marktgerechte Zwangsoptimismus geht mir auf die Nerven. Wenn die Leute so glücklich wären, würden sie ja nichts konsumieren.

Sie haben auch einmal beim ORF angeheuert.
Dort hab' ich Ende der 70er 8000 Schilling verdient und die Segnungen der Banken erfahren. Ich bekam sofort einen Kreditrahmen von 40.000 Schilling. Den hab' ich gleich ausgeschöpft. Und dann hab' ich gekündigt und beschlossen, mit 40.0000 Schilling Schulden freischaffender Zeichner zu werden. Dieses Minus würde ich mir heute wünschen.

Sie werden ewig weiterarbeiten müssen, ob Sie wollen oder nicht?
Schaut ganz danach aus.

Zur Person: Auf Skripten kritzeln

Rudi Klein Klein, 60 geworden, stammt aus Floridsdorf, besuchte das Gymnasium in der Franklinstraße, begann in den Fünfzigerjahren Comics zu lesen. Die Inspiration kam über eine "neue, junge Zeichenprofessorin, die im Unterricht Hendrix-Platten spielte", beschreibt er seine künstlerischen Anfänge. Später begann er "ein Tarnstudium, um lästigen Fragen zu entgehen" und bekritzelte dort "schnarchlangweilige Skripten der Juridischen Fakultät". Es ist dann doch etwas aus ihm geworden. Klein zeichnet(e) für die Zeit, die FAZ, die TAZ, Titanic, profil ... oft unter Stress, etwa in der Art: "Profil hier. Sie haben zwölf Sekunden Zeit, eine 1-a-Zeichnung zu machen zur Pensionsversicherung!"

Ausstellungen: Die Rudi-Klein-Tour in Wien-Wieden startet am 8. September: Das Wien Museum Karlsplatz widmet dem Künstler die Ausstellung "Alles Gute, Rudi Klein. Eine kleine Reise um den Zeichentisch". Die Galerie Kargl Permanent zeigt Kleins "verschwindende Tiere" (Schleifmühlgasse 17). Bilder hängen auch in K - Der Laden (Favoritenstraße 1) und in der AK.