Kultur
31.05.2017

Wandl: "Es muss rauschen und knistern"

Verschleppte Beats, verzerrte Melodien und analoge Ästhetik: Wandl veröffentlicht sein Debütalbum.

Der 22-jährige Lukas Wandl hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der spannendsten heimischen Künstler im weiten Feld der elektronischen Musik etabliert. Sein spezieller wie unkonventioneller Zugang zur Musikproduktion ist dabei ein wesentlicher Faktor seines Erfolgs. Denn so entstehen Sounds und Tracks, die sich in keine Schublade stecken lassen – und das gilt im aktuellen Musikbusiness bereits als Qualitätskriterium. Hauptsache anders, undefinierbar.

Apropos Schublade: Dorian Concept, Freund, Mentor und Label-Kollege (Affine Records) von Wandl, hat über das am 3. Juni erscheinende Album "It’s All Good Tho" folgende Worte verloren: "Es klingt nach einer alten Aufnahme, die man nach 20 Jahren irgendwo in einer Schublande findet." Diese Beschreibung trifft die Atmosphäre der 17 Tracks auf Wandls Debüt ganz gut.

"Ich mag es total, wenn eine Aufnahme alt, lo-fi und analog klingt. Es muss rauschen und knistern", sagt Lukas Wandl im KURIER-Interview. Um diese Soundästhetik erreichen zu können, arbeitet der in St. Pölten aufgewachsene Wahl-Wiener unermüdlich. "Ich sitze oft stundenlang vor dem Computer und bearbeite dabei einen einzigen Sound. Ich belege meine Musik mit vielen Effekten, überlagere Melodien und bringe sie auf eine andere Tonlage, um eine gewisse Verstimmung reinzubringen.

Das Ausgangsmaterial ist dabei meistens rein – es wird erst im Laufe der Produktion nach und nach verfremdet – so lange, bis der Sound "dreckiger" ist. Wandl liebt die verspielte Soundästhetik, mag es, wenn Sounds eiern, Beats verschleppt klingen, und eine gewisse Ambivalenz hörbar ist. Um dieses Resultat erzielen zu können, muss er tricksen. "Ich habe nicht so viele analoge Gerätschaften daheim, kann aus Kostengründen nicht auf einen großen Fuhrpark von Synthesizern und Drum Machines zurückgreifen." Aber einige Klangerzeuger stehen bereits in seiner Einzimmerwohnung, die er auch zum Studio umfunktioniert hat, herum. "Seit ich 13 bin, investiere ich mein erspartes Geld ins Equipment, das ich zum Musikmachen benötige", sagt Wandl.

Tape-Fanatiker

An seinem Debütalbum hat er lange gearbeitet. "Ich habe viel probiert und herumgefeilt." Wenn er beim Produzieren nicht den richtigen Zugang findet, sucht er unter anderem Hilfe bei Christian Stantchev, der nicht nur Videos und Pressefotos für ihn anfertigt, sondern auch selber Musik macht. "Er ist ein Noise-Fetischist und Tape-Fanatiker – so wie ich", sagt Wandl. Auch der bereits eingangs erwähnte Dorian Concept ging ihm bei "It’s All Good Tho" zur Hand und stellte ihm sein Studio zur Verfügung.

Sein Debütalbum, das nicht nur in Wien, sondern auch in Hamburg entstanden ist, wo er für die Theaterproduktion "Der gestohlene Gott" den Soundtrack produzierte, sieht er als eine Art Zeitdokument, in dem man nach Jahren wie in einem Bilderbuch blättern kann. Während andere über ihre Sorgen und Erlebnisse Tagebuch führen, verarbeitet Wandl seine Gefühle in der Musik.

Info: Am 3. Juni stellt Wandl sein Debütalbum "It’s All Good Tho" live im WUK vor. Beginn: 22 Uhr.