Paulus Manker, Wagnerdämmerung

© Anna Fiala/Wagner 200

Kritik
07/17/2013

Gothic Horror Wagner Show

Das Spektakel „Wagnerdämmerung“ – polarisierend wie sein Erfinder Paulus Manker.

von Werner Rosenberger

Groß, dramatisch, pathetisch: Richard Wagner fasziniert. Als Charakterfiesling ein Gesamtkunstwerk, als Opernkomponist und Schöpfer mythischer Welten ein Monument. „Extase“ in Neonschrift über der Lüftungsrohr-Installation von Katharina Razumovsky verspricht im alten Telegrafenamt an der Börse schon der Kunst-Parcour.

Aber wie inszeniert man Ekstase? Der Opernerneuerer, Egomane, Schnorrer, Karrierist, Frauenverächter, Antisemit, Intrigant und Bankrotteur ist ein dankbares Thema: Paulus MankersWagnerdämmerung“ beginnt Open Air im Hof mit Tänzern und Zitaten aus „Lohengrin“.

Szenenfotos von Mankers "Wagnerdämmerung"

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Grottenbahn-Erlebnis

Drei Stockwerke tiefer in die Unterwelt gibt’s Wagner als teils rätselhafte Gesamtkunstwerkscollage in Häppchen wie am Buffet: In einem düsteren Labyrinth sind Akteure auf Rohrleitungen und in Nischen drapiert. Hier in den düsteren Keller- und Maschinenräumen ist Nibelheim, die Sklavenwelt des Alberich.

Darsteller flüstern, murmeln, schreien plötzlich und ausdauernd aus allen Ecken. Schließlich kennt Wagners Werk auch die Lust am Untergang, an der Grausamkeit, am Tod. Buchstaben werden befeuert, Fackeln geschwungen im Ziegelgewölbe. Wagners Frauen Minna (von Elisabeth Lehmann dargestellt) und Cosima (Veronika Glatzner) treten auf. Der Meister selbst (Mirkus Hahn), das Personal seiner Opernwelt, der „Ewige Jude“ (Yehuda Almagor), der Wagners Antisemitismus immer wieder in Erinnerung ruft, und die Hitler-Verehrerin Winifred Wagner.

Die Szenen laufen simultan ab, was die Nervosität oft desorientierter Zuschauer, etwas zu versäumen, und das Chaos erhöht. Wem die Vita des Komponisten sowie Figuren und Finessen der „Ring“-Tetralogie nicht geläufig ist, dürfte sich schwer tun mit der Text-Collage. „Alma“ war überschaubar, stringent, was die Figuren betrifft. Und hatte eine Handlung. Nicht so „Wagnerdämmerung“. Dem Kaleidoskop aus biografischen Notizen, Briefen und Opern-Libretti fehlt vielleicht Joshua Sobol, der ein Theaterstück geschrieben hat, das aber hier nicht, wie ursprünglich vorgesehen, aufgeführt wird.

Fühlbarer Sound

Dafür gibt’s das große orchestrale Wumm, „Parsifal“ und den „Ring“ aus 50 Lautsprechern. Die Streicher schwelgen. Das Blech scheppert. Und wenn man die richtigen Stellen findet, kann man Wagners Musik sogar mit den Fußsohlen hören. Die Wirkung der „Droge Wagner“, das Rauschhafte, die Entrückung, die Entgrenzung, mit der das Phänomen gern beschrieben wird, stellt sich allerdings im Besuchergewimmel kaum ein.

Alles endet schließlich auf der Straße vor dem Gebäude mit einem Leichenzug, Fackeln und der schon aus „Alma“ bekannten Kutsche, die einen Sarg abholt ...
„Berauschet euch!“ Baudelaires an diesem Abend oft zitierter Imperativ macht Sinn. „Man muss immer trunken sein. Das ist die einzige Lösung!“

Die Frage bei der „Wagnerdämmerung“ ist nur: Vorher eintrankeln oder nachher schönsaufen bei dem von der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 1876 nachgekochten Dinner mit „Fasanenbrust im Speckmantel mit Spinatflügel auf Rahmlinsen“. Wollten Wagner und Manker überhaupt Schönheit? „Wagner natürlich“, ist Christian Thielemann überzeugt, „sonst hätte er nicht Seidenunterhosen getragen.“ Bei Manker weiß man’s nicht so genau...

KURIER-Wertung: *** von *****

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