"Wagner 1863": Eine dünne Suppe

Wagner, Richard
Foto: ÖNB Richard Wagner: Heuer wird am 22. Mai sein 200. Geburtstag und am 13. Februar sein 13. Todestag gefeiert. Das Konzert des Opernerneuerers im Theater an der Wien jährte sich zum 150. Mal.

Kritik: Eine gute Idee führte im Theater an der Wien zu einem schwachen Resultat. Trotz eines fabelhaften Evgeny Nikitin.

Das Projekt an sich war faszinierend: Ein Wagner-Konzert im Theater an der Wien, das ideal für Barockmusik oder Werke von Mozart ist, auf Instrumenten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Also  mit Geigen mit Darmsaiten, alten Blasinstrumenten ohne die heutige Ventil-Technik, Wagner im historischen Gewand, gespielt von den im alten Fach renommierten Musiciens du Louvre Grenoble unter der Leitung von Marc Minkowski. So oder zumindest so ähnlich sollen drei Konzerte, die Wagner vor 150 Jahren an der Wien dirigierte, geklungen haben, wurde im Vorfeld insinuiert.

Nach dem Konzert, das eine Art Auftakt zum Wagner-Jahr darstellte, muss man jedoch festhalten: Zum Glück haben sich die Orchester und die interpretatorischen Möglichkeiten massiv weiterentwickelt. Denn was da, bei diesem Ragout an Wagner-Auszügen, zu hören war, ist höflicherweise als klanglich dünne Suppe zu bezeichnen. Weniger höflich war manches an der Grenze zur Öffentlichkeitsfähigkeit.

Zu wenig Kraft

Schon der erste Ton aus der Tuba bei der „Faust-Ouvertüre“ war unpräzise. In der Folge entwickelte das Blech nicht nur beim „Walküren-Ritt“ viel zu wenig Kraft. Die Streicher mühten sich mit den Ansprüchen der Partitur ab. Die Harfe war kaum hörbar. Und Minkowski hatte Probleme, das Orchester beim „Meistersinger“-Vorspiel rhythmisch beisammenzuhalten. Die „Tannhäuser“-Ouvertüre dirigierte er so langsam, wie man sie nur dirigieren darf, wenn man Furtwängler heißt und am Pult der Berliner steht.

Leider gab es auch bezüglich der Klangfarben und der erhofften Kammermusikalität kaum neue Erkenntnisse.
Endrik Wottrich ist ein zu vernachlässigender Siegmund. Evgeny Nikitin hingegen ein fabelhafter Pogner und ein mächtiger, berührender Wotan (beim „Walküren“-Finale) mit schönem Timbre und eleganten Phrasierungen. Der Jubel am Ende galt ihm – und wohl auch Wagner. Dem Orchester kann er nicht gegolten haben.

KURIER-Wertung: ** von *****
 

(KURIER) Erstellt am
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