Kultur
26.01.2015

Votavas Skurrilitäten abseits des Lebens

Kritik. Premiere von "Narzissmus und Tiere".

Ich liebe mich, aber ich liebe auch Sie, weil Sie mich gerade anschauen." Für sein erstes Soloprogramm seit den frühen 1990ern hat sich Gerald Votava besonders in Schale geworfen: Im weißen Pelzmantel, mit Goldkette um den Hals und Gehstock in der Hand, erzählt er als G.V.V. (französisch ausgesprochen) von seinem Leben als Lebemann, als Narzisst.

Es ist die Geschichte eines Mannes, der zu diesem einen Prozent gehört, das 50 Prozent des weltweiten Vermögens besitzt. Vater Finanzgenie, Mutter Schauspielerin, aufgewachsen bei der Haushälterin, Frau Sokol.

Ein politischer Abend, eine Geschichte von "denen da oben und uns da unten" ist " Narzissmus und Tiere" aber nur (sehr versteckt) zwischen den Zeilen. Vielmehr liefert Votava im Wiener Stadtsaal ein skurriles Episodenkabarett. Er singt, (begleitet von Gerald Tschubm Schubert am Klavier), tanzt und schlüpft dabei in jene Art Rollen, für die er seit Projekt X bekannt ist – vom steirischen Parkwächter zur resoluten Haushälterin Sokol.

Die Figuren leben von der absurden Übertreibung ins Skurrile. Auch die Handlung kippt ins Absurde: G.V.V. kann nach einem Herz-Stillstand mit einem Schweineherz weiterleben, hört am Ende seinen eigenen Hund reden. Bezeichnend, dass ausgerechnet die Nebenfiguren dem Narzisst G.V.V. die Show stehlen. Am Ende steht Votava zu den Klängen des Rocko-Schamoni-Klassikers "Der Mond" mit Discokugelhelm und Elviskostüm auf der Bühne. Gelernt haben wir dabei nichts. Aber das müssen wir ja auch nicht. Wohlwollender Applaus.

KURIER-Wertung: