Nicolas Mahler, ein österreichischer Cartoonist von internationalem Rang, hat sich Thomas Bernhards „"Alte Meister"“ vorgeknöpft….

© Nicolas Mahler

Karikaturmuseum
12/01/2013

Vom Sein und seinem Irrwitz

Der Cartoonist Nicolas Mahler und die Illustratorin Verena Hochleitner im Porträt.

von Barbara Mader

Es ist nicht so, dass Nicolas Mahler, der nun den „Mann ohne Eigenschaften“ auf 156 wortlose Seiten verdichtet hat (der KURIER berichtete), mit Robert Musil oder Thomas Bernhard die Literatur entdeckt hat.

Mahlers sparsame Zeichnungen haben sich immer schon mit Kultur beschäftigt, ob niederschwellig oder hochgeistig: Es gehört zum Charme des 44-jährigen Wieners, dass in seinem Schaffen Helmut Berger neben Voltaire und Sylvia Kristel neben Hermann Melville Platz nehmen dürfen. Auch seine Finanzbeamtin hat Mahler schon künstlerisch gewürdigt. Und für die Verfilmung seines leptosomen „Flaschko“ bat er einst Subkultur-Rockstar Ronnie Urini und die ehemalige Grande Dame des Sonntagnachmittags, Hilli Reschl ins Studio.

Der Seniorenclub findet im Mahler-Universum neben Cioran-Aphorismen statt. Wie gut das zueinander passt, zeigt nun eine wunderbare Schau im Karikaturmuseum Krems, die das breite Schaffen des Künstlers und seine skurril-poetischen Geschichten, in denen Pygmäen oder zu lang geratene, großnasige Wesen vom Sein und seinem Irrwitz berichten, würdigt.

„Wer alles liest hat nichts verstanden“ ist die Schau mit einem Zitat aus Thomas Bernhards Roman „Alte Meister“ (im Bild), den Mahler 2011 zeichnerisch interpretiert hat, betitelt. Sie veranschaulicht Mahlers minutiöse Arbeitsweise: Neben Originalzeichnungen sind Fotografien des Künstlers zu sehen, die seine Liebe fürs komische Detail zeigen. Daneben Skizzen und viele schräge Basteleien. Etwa jene Marketing-Strategen auf die Schaufel nehmenden Merchandising-Produkte, die Mahler für seinen erbärmlichen „Superhelden Engelmann“ erfunden hat. Passend dazu die gegenüber platzierten Familienporträts, die Mahler mit Cioran-Zitaten überklebt hat: „Vom Nachteil geboren zu sein.“

Wunderbare Miniaturen sind die nun im Suhrkamp-Verlag erschienenen „Gedichte“ des Vielarbeiters Mahler: Gedanken über Zeit und Raum. Rührend und komisch.

Eine fragile Welt voll zarter Männer und trauriger Hunde

Ihre Figuren sind merkwürdig ambivalent. In der Körpermitte wirken sie plump, und sind doch merkwürdig filigran, fast, als würden sie schweben. Große Köpfe haben sie, dazu winzige, zarte Gliedmaßen. Wäre es nicht ein derartig inflationär gebrauchtes Wort, müsste man die Arbeiten der Illustratorin Verena Hochleitner als poetisch bezeichnen. Ihre gezeichneten, gemalten und gebastelten Landschaften und Städte wirken modern und altmodisch zugleich. Aufwendig patchworkt sie diverse Mal- und Basteltechniken miteinander. Klebt, fräst, zeichnet und malt und setzt Farben sehr sparsam ein. Mit ihren Bildern will sie „Räume schaffen“, sagt sie. Und es gelingt ihr.

Das Karikaturmuseum Krems widmet der oberösterreichischen Künstlerin nun eine Ausstellung. Zu sehen sind dort zauberhafte Basteleien, Illustrationen für diverse Kinderbücher sowie Hochleitners erstes Buch, in dem sie auch als Autorin auftritt: Die bis auf einen grünen Gedankenfaden schwarz-weiß gehaltenen Bilder in Aquarell-Acryl-Mischtechnik zeigen die Gedanken eines zarten Mannes in seiner Küche: „Der verliebte Koch.“

Wo gibt’s Fälschungen?

Ausstellung II.Endlich erfahren Kunstfreunde Wesentliches über Kunst: Wie verhält man sich korrekt am Eröffnungsbuffet? Wie viele Künstlerohren muss man abschneiden, um Inspiration zu erlangen? Und wo kann man die schönsten Kunstfälschungen kaufen?

Die Galerie der Komischen Künste im MuseumsQuartier, Wien 7., Museumsplatz 1 (www.komischekuenste.com), zeigt „Cartoons über Kunst“ mit Bildern von (u. a.) Nicolas Mahler, Oliver Ottitsch, Peter Gaymann.
Info: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: Cartoons über Kunst. Holzbaum Verlag. 80 Seiten 19,95 Euro.

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