© Galerie Elisabeth & Klaus Thoman/ Lena Kienzer

Galerien
07/07/2015

Vom Gefühl, abgewiesen zu werden

Neue Werke von Michael Kienzer in der Galerie Thoman Wien - bis 5. September

von Michael Huber

Sicherheitskontrolle am Flughafen. Man kennt das: Anstellen, Schuhe ausziehen, dann durch das Scanner-Tor schreiten und hoffen, dass kein lästiger Piepser erniedrigende Visitationen nötig macht. Was aber, wenn das Tor durch zwei gekreuzte Alustangen, eine Ziegelmauer oder eine dicke Gummimatte verbaut ist?

Dem Künstler Michael Kienzer ist für seine aktuelle Einzelausstellung in der Wiener Galerie Thoman ein Werk gelungen, das wie ein Monument für das Gefühl anmutet, abgewiesen zu werden.

Wie es der üblichen Arbeitsweise des 1962 in Steyr geborenen Bildhauers entspricht, verwendete er industrielle Materialien, wie sie aus dem Baumarkt zu bekommen sind, um die drei versperrten Tore mit dem Werktitel „Haltung Vol. 10“ zu gestalten. Wobei nicht ganz eindeutig ist, worauf sich die „Haltung“ hier bezieht: Vielleicht auf die scheinbar geradlinige Haltung jener Gemeinschaft, die Festungen baut und sich dabei prinzipientreu wähnt? Oder auf die Haltung jener, die versuchen, sich durch das Tor zu winden? „Verkrümmung“ heißt ein anderes Werk, in dem Bänder aus Blei und Gummi ineinander gerollt sind, das eine drückt nach unten, das andere will sich ausdehnen.

Raum, Licht, Gewicht

Auch wenn Kienzers aktuelle Galerienschau ein aktuelles Anliegen erkennen lässt, so können seine Skulpturen immer auch als raffinierte Experimente mit Form, Raum, Licht und Gewicht verstanden werden.

2009 stellte er drei Sattelschlepper im Hof des Wiener MuseumsQuartiers auf, deren Laderäume hinten offen, in Gelb, Rot und Blau tapeziert und ausgeleuchtet wurden. Das „Three Colours Piece“ in der Galerienschau nimmt die Idee dieser Arbeit wieder auf: Drei Tunnel aus Polystyren-Platten, in denen das Licht jeweils andere Effekte produziert, werten das Vorgefertigte zum ästhetisch Bemerkenswerten um.

Der Gedanke an die Minimal- und Postminimal-Art mit Vertretern wie Donald Judd oder Richard Serra liegt bei Kienzers Arbeiten nie ganz fern, doch haben die Skulpturen eine menschliche Dimension, die den meisten Vertretern dieser Stilrichtung fehlt. Die Schau in der Galerie Thoman, die neben großen Installationen auch Collagen sowie Zeichnungen beinhaltet, zeigt nun in konziser Form die Weite des Territoriums, das sich Kienzer mit seiner minimalen Formsprache erschlossen hat.

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