Alle Figuren sind immer auf der Bühne: Die „tote“ Mutter (Martina Stilp) sitzt im Tetris-Baukasten. Christopher (Matthias Mamedof) fängt sich unterdessen vom Vater (Patrick O. Beck) eine Ohrfeige ein.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Kritik
06/14/2014

Eine Pilcher auf Psychotrip

Matthias Mamedof brilliert in "Supergute Tage" von Simon Stephens am Volkstheater.

von Peter Jarolin

Tot ist er, der Hund der Nachbarin, Wellington. Ermordet. Ein klarer Fall für Superhirn Sherlock Holmes.

In diesem Fall für Christopher Boone. Ein Junge, der alle Primzahlen kennt, der ein mathematisches Genie und im Tetris-Spiel wohl unschlagbar ist. Der aber mit Menschen und mit Nähe gar nicht umgehen kann: Christopher ist Autist, leidet unter dem sogenannten Asperger-Syndrom – eine Unterform der Krankheit, bei der die Betroffenen eine andere Art der Wahrnehmung haben.

Rain Man

Eben wie besagter Christopher, der in Simon Stephens’ "Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone" (nach dem Bestseller -Roman von Mark Haddon) auf Hunde-Mörderjagd geht und dabei einen familiären Scherbenhaufen vorfindet. Ein Stück zwischen Betroffenheit und Banalität, zwischen Rosamunde Pilcher und "Rain Man", zwischen Weisheiten und Plattitüden – weniger wäre hier deutlich mehr gewesen.

Egal. Denn das Volkstheater mobilisiert alle verfügbaren Kräfte und hat damit Erfolg. Ein tolles, aus verschiebbaren "Tetris-Steinen" bestehendes Einheitsbühnenbild (Michael Böhler), eine kluge, aus jedem Kitsch-Topf bewusst heraustretende, kühle Inszenierung (Matthias Kaschig) und teils fabelhafte Darsteller verleihen Christophers Schicksal viel Kraft.

Das liegt vor allem an Matthias Mamedof, der seinen Christopher als Mischung aus Albert Einstein und Pumuckl anlegt. Toll, wie Mamedof alle Angstzustände des Buben offenlegt, wie er (fein zurückgenommen) trotz aller Klischee-Fallen diesen Autisten zum Sympathieträger macht.

Ebenso wunderbar gezeichnet (ein Dank an die Regie) sind alle "Nebenfiguren". Etwa Martina Stilp als Christophers offiziell tote Mutter, die in ihren Szenen ein ganzes Frauen-Schicksal subtil mitschwingen lässt. Oder Patrick O. Beck, der als Vater einen typisch britischen, mitfühlenden "Working-Class-Hero" gibt. Als Christophers Therapeutin hat Annette Isabella Holzmann starke Momente; Thomas Bauer macht auch als Hund (!) eine gute Figur. Und Claudia Sabitzer outriert sich gekonnt durch Schreckschrauben-Rollen. Jubel.

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