Kultur 23.01.2012

Volksoper: So macht Musiktheater Spaß

© Bild: Barbara Palffy/Volksoper Wien

Kritik: Leonard Bernsteins Musical „Candide“ hatte konzertant an der Wiener Volksoper Premiere.

Erdbeben und Schiffbrüche, Kriege und Inquisition, Pest und Kannibalismus sowie eine Liebe, die bis zum unvermeidlichen Happy End den diversen Spielarten des menschlichen Unglücks ausgeliefert ist: Mit „Candide“ hat Voltaire einst einen hinreißend bösen, extrem spritzigen Roman geschrieben, der ungefähr alles persifliert, was nur möglich ist.

Und Leonard Bernstein hat (gemeinsam mit mehreren Librettisten) daraus ein ebenso hinreißendes, fabelhaftes Musical gemacht. Voller Witz, Esprit, Charme und Geist. An der Wiener Volksoper ist dieses Meisterwerk in konzertanter Form (Reprisen: 24., 26. und 29. Jänner) zu erleben. Eine Chance, die sich kein Musikfreund entgehen lassen sollte.

Denn es bedarf bei „Candide“ gar keines Regisseurs, wenn man so glänzende Musiker und einen derart präsenten Erzähler zur Verfügung hat, wie das Haus am Gürtel. Direktor Robert Meyer ist der verbale „Reiseführer“ durch Bernsteins Universum und holt sich bei den herrlichen (deutschen) Zwischentexten von Loriot jede, aber wirklich jede Pointe.

Feuerwerk

Doch auch musikalisch bleiben kaum Wünsche offen. Dirigent Joseph R. Olefirowicz animiert das gut aufgelegte, spielfreudige Orchester zu größter Brillanz und zeigt auch, wie perfekt Bernstein mit melodischen Formen jongliert, wie spaßig diese Musik ist. Dass Michael Tomaschek auch den Chor des Hauses ideal einstudiert hat, ist ebenfalls hörbar. Dieses musikalische Feuerwerk zündet einfach. Auch dank der zahlreichen Solisten.

So ist Jennifer O’Loughlin eine exzellente, Koloraturen-sichere Cunegonde, die auch einen echten Charakter auf die Bühne bringt. Ähnliches gilt für den sicheren Stephen Chaundy, dem man die gutgläubige Naivität des Candide auch stimmlich abnimmt.

Eine köstliche Studie liefert dazu Kim Criswell in der kleineren, aber sehr wichtigen Partie der Old Lady ab; bei ihr kommt echtes Broadway-Feeling auf. Als ewig von der „Besten aller möglichen Welten“ singender und mehrfach zu Tode kommender

Philosoph Pangloss brilliert Morten Frank Larsen; aus dem übrigen (guten) Ensemble ragen Beate Ritter (Paquette), Steven Scheschareg und Jeffrey Treganza heraus.

Mit diesem „Candide“ erweist die Volksoper Leonard Bernstein alle Ehre. Berechtigter Jubel.

 

KURIER-Wertung: ***** von  *****

( Kurier ) Erstellt am 23.01.2012