"Viktoria und ihr Husar" im Rahmen der Seefestspiele Mörbisch

© SEEFESTSPIELE MÖRBISCH/JERZY BI

Seefestspiele Mörbisch
07/08/2016

Eine bunte Schmachtplatte mit Überlänge

"Viktoria und ihr Husar" in Mörbisch: Die "Handlung" sollte man besser nicht hinterfragen

von Peter Jarolin

43 Jahre war Paul Abrahams 1930 uraufgeführte Revue-Operette "Viktoria und ihr Husar" nicht mehr bei den Seefestspielen Mörbisch zu sehen. Nun aber hat Intendantin Dagmar Schellenberger dieses dramaturgisch alles andere als unproblematische Stück (Libretto: Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda) an der Neusiedler See zurückgebracht – als bunte, etwas harmlose Schmachtplatte in Überlänge.

Die "Handlung" sollte man besser nicht hinterfragen. Denn die Geschichte rund um Viktoria, die zwischen ihrem noblen Ehemann und ihrer Jugendliebe steht, dient bloß als Vorwand, um möglichst viele exotische Schauplätze samt jeweils passender Musik zu bespielen.

Mitsingpotenzial

Das entsprach völlig dem Stil der damaligen Zeit, und so reiht Abraham Nummer an Nummer. Walzer, Csárdás, Charleston und Stepptanz kommen da vor; Ohrwürmer wie "Meine Mama war aus Yokohama", "Mausi, süß warst du heute Nacht" oder "Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände" haben hohes Mitsingpotenzial.

Regisseur Andreas Gergen aber hängt in Mörbisch etwas sehr am Text, liefert nicht einfach Hit um Hit ab, sondern versucht, die Geschichten rund um drei finale Hochzeiten tatsächlich detailliert zu erzählen. Das ist löblich, sorgt aber auch für einige Überlängen.

Exotismus

Optisch setzt Bühnenbildner Christian Floeren auf den passenden Exotismus. Vom sibirischen Gefangenenlager über japanische Pagoden (für den Tokio-Akt), einen russischen Palast bis hin zum Puszta-Feeling eines ungarischen Dorfes ist alles da. Sogar ein kleines Propellerflugzeug kommt zum Einsatz; per Licht werden die einzelnen Länder auf zwei großen Showtreppen in ihren Nationalfarben illustriert. Auch Floerens Kostüme und die zahlreichen Choreografien von Simon Eichenberger fügen sich in diesen Folklorismus nahtlos ein.

Musikalisch springt Dirigent David Levi am Pult des Festival Orchesters (samt Chor) zwischen den Stilen hin und her und begleitet die Sänger sicher. So kann Dagmar Schellenberger als im positiven Sinne divenhafte Viktoria mühelos reüssieren; Andreas Steppan als ihr Ehemann agiert nuanciert. Stark sind die Buffo-Paare (Andreas Sauerzapf, Katrin Fuchs, Peter Lesiak, Verena Barth-Jurca). Nur Michael Heim – man alterniert – bleibt als Husar stimmlich wie darstellerisch zu blass.

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