Bruno Dumont, nicht gerade für Humor berühmt, drehte eine skurrile Mini-Serie: „P’tit Quinquin“

© /Viennale

Filmfestival
10/23/2014

Viennale wird mit kritischen Worten eröffnet

Festivaldirektor Hans Hurch tadelte in seiner Rede Kulturpolitik und Journalisten.

Das Feuer der Viennale – heuer als Plakatsujet – lodert wieder. Donnerstagabend eröffnete Festivaldirektor Hans Hurch das beliebte Filmfest im Wiener Gartenbaukino. Er übte dabei Kritik an Kulturpolitik und Journalismus: Die größe kulturpolitische Leistung des Jahres sei die Entlassung des Burgtheaterdirektors gewesen; Journalisten würden sich mehr für Affären als für Grundsatzdebatten interessieren. Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny hatte die Viennale zuvor als einen „Versuch, die Sehgewohnheiten neu zu definieren“ gewürdigt, als solcher stehe sie „dem Überfluss an Bildern in unserer Welt“ entgegen. Das Filmfestival sei ein Aufruf zu Toleranz in Zeiten von Intoleranz. Im Rahmen der Gala läuft Jessica Hausners konzentriertes Melodram "Amour Fou": Das witzig-tragische Kammerspiel erzählt vom Doppelselbstmord des deutschen Dichters Heinrich von Kleist gemeinsam mit Henriette Vogel.

Ab Freitag kann man sich dann ins Film-Abenteuer stürzen. Gleich um 11 Uhr (Gartenbau) bietet sich ein hervorragender Einstieg mit dem indischen Film "Court", der bereits in Venedig die Kritik begeisterte. "Court" ist ein Gerichtssaaldrama der besonderen Art: Ein Kanalarbeiter wird in Mumbai tot gefunden – womöglich Selbstmord. Unter Verdacht gerät ein Folksänger: Hat er mit seinem traurigen Lied vielleicht den Arbeiter zum Suizid verleidet?

Der 27-jährige Regisseur Chaitanya Tamhane beobachtet in seinem Debüt-Film nicht nur die teils regelwidrigen Vorgänge vor Gericht, sondern folgt den Hauptakteuren auch in deren Privatleben. Das Ergebnis ist ein facettenreicher Einblick in den modernen, indischen (Gerichts-)Alltag.

Vielversprechend auch Joe Swanbergs ernste Komödie "Happy Christmas" (16.00 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus), die von den Schwierigkeiten des Familienlebens erzählt: Eine junge Frau zieht bei ihrem Buder und seiner Familie ein und versucht, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Am Samstag bietet sich dann eine lange Nacht der Mini-Fernsehserie an: Bruno Dumonts Vierteiler "P’tit Quinquin" (23.00, Gartenbau) erzählt von zwei vertrottelten Polizisten, die in einer Mordserie ermitteln. Dumont produzierte seine absurde Polizeiserie für Arte: 200 Minuten Fernsehen im Kino – herrlich!

Viennale-Partys: Nach dem Kino lockt die Tanzfläche

Die Viennale ist ja mehr als bloß ein Filmfestival. Abseits von Kinosälen, diversen Spezial-Programmen und Retrospektiven gibt es auch noch feine Rahmenveranstaltungen bei freiem Eintritt. Austragungsort dieser Partys und Konzerte ist die Alte Post (Dominikanerbastei 11), die der Viennale als Festivalzentrale dient.

Am Freitag (ab 21 Uhr) gastieren dort Woods of Birnam, eine Band rund um den charismatischen Schauspieler Christian Friedel, der in Jessica Hausners neuem Film "Amour Fou" den todessüchtigen Heinrich von Kleist verkörpert. Live wird er sich durch seine theatralischen Popsongs singen, die er gemeinsam mit den Musikern von Polarkreis 18 konzipiert hat. Den Abend beschließt Alex Barck mit seinen derzeitigen Lieblingsplatten. Der in Berliner lebende Musiker und Produzent ist Teil des Jazzanova-Kollektivs, das Ende der 90er-Jahre die Nu Jazz- und Downtempo-Szene nachhaltig geprägt hat.

Am Samstag wird das heimische Duo Konea Ra ab 22 Uhr sein neues Album vorstellen. Sängerin Stephanie Zamagna und Produzent Matthias Cermak vermengen darauf tanzbare Beats mit feingliedrigen und melancholischen Soundstrukturen. Musik für feucht-kühle Herbsttage.

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