„Man erinnert sich daran, wie sehr man einander gemocht hat. Aber das ist weit weg.“Emmanuelle Devos über Beziehungsprobleme

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Viennale
10/29/2014

Keine Angst vor großen Gefühlen

Die Französin Emmanuelle Devos präsentiert ihren Film "Arrête ou je continue" mit Mathieu Amalric.

von Susanne Lintl

Zuletzt versetzte sie sich in Martin Provosts Künstlerbiografie "Violette" in die Rolle der Schriftstellerin Violette Leduc, angesiedelt im Pariser Kreativ-Biotop rund um Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre. Nun ist Emmanuelle Devos wieder in der Gegenwart gelandet: An der Seite ihres Lieblingspartners Mathieu Amalric spielt sie eine Ehefrau, die von ihrer Beziehung zu retten versucht, was noch zu retten ist – und sich zur Selbstreflexion in den Wald zurückzieht.

Ein Beziehungsdrama, das auch viele komische Momente hat und wirklich sehenswert ist. "Arrête ou je continue" ist heute Abend bei der Viennale um 18 Uhr in der Urania zu sehen, der Kinostart ist noch ungewiss.

",Arrête ou je continue‘ (Regie: Sophie Fillières, Anm.) ist die Geschichte der Erosion einer großen Liebe", sinniert Emmanuelle Devos beim Gespräch im Wiener Hotel Intercontinental. "Die Geschichte eines Paars, das noch auf das Wiederaufflammen der Liebe hofft, aber es dann nicht mehr schafft, die Beziehung zu retten". Eine traurige Geschichte, die sich auch mit viel Humor nicht mehr ändern lässt: "Man erinnert sich daran, wie sehr man einander gemocht hat, aber das ist weit weg. Es funktioniert nicht mehr".

Ein altes Paar

Die Vertrautheit von Mathieu Amalric und Emmanuelle Devos, die schon in Arnaud Desplechins "Conte de Noël" und "Rois et Reine" ein formidables Paar abgaben, ist in jeder Szene spürbar: "Wir sind wie ein altes Ehepaar, das schon viel erlebt hat. In Arnauds Filmen durften wir uns immer lieb haben. Deshalb war es seltsam, dass wir uns jetzt angiften mussten. Aber Sophie, die Regisseurin, verbot uns ausdrücklich liebevolle Gesten oder Küsse".

Devos, zweifache César-Preisträgerin, ist in Frankreich ein Star und kann es sich leisten, ihre Rollen nach persönlichem Interesse auszuwählen: "Ich entscheide mich fast immer für Rollen, hinter denen ich zu hundert Prozent stehe. Die Menschen merken, dass mein Interesse ehrlich ist." Schon nach "der dritten oder vierten Seite eines Skripts" merke sie, ob das was wird mit ihr und einer Figur oder nicht: "Die Rolle muss kohärent sein mit dem, was ich denke und fühle".

In den nächsten Monaten ist Devos am Theater zu sehen: Mit Tschechow "Platonov" tourt die Schauspielerin bis April durch renommierte Theater Frankreichs – in Paris ist sie am Théâtre de la Colline zu sehen. "Ich mag dieses Back-to-the-Roots zu meinen Anfängen am Theater. Jeder Schauspieler, der auf sich hält, sollte einmal Tschechow gespielt haben".

Faible für Kunst

Fragt man Devos nach Vorbildern, so fällt ihr – quasi als Jugendsünde – Nastassja Kinski ein: "Ich habe sie damals sehr verehrt, weil sie so eine tolle Physis und Ausstrahlung hatte. Als ich Nastassja letztes Jahr in Cannes sah, war sie aber völlig durch den Wind. "Nichts mehr von der früheren Aura. Ich war schockiert."

Ihre heutigen Helden sind bildende Künstler: Maler und Bildhauer wie Alberto Giacometti, Picasso oder Henri de Toulouse-Lautrec: "Gestern war ich im Leopold Museum bei der Giacometti-Ausstellung. Ihr habt hier in Wien einfach wunderbare Museen." Auch "Dantons Tod" im Burgtheater interessiert sie: "Gibt es da noch Karten? Diese ,Danton‘-Version würde ich gerne sehen."

Wenn Devos nicht Schauspielerin geworden wäre, wüsste sie spontan eine Alternative: Filmscout, Entdeckerin guter Filme. "Ich liebe dieses Eintauchen in unbekannte Filme aus aller Welt, so wie ich es als Jurymitglied in Cannes erlebt habe. Jeden Tag haben wir zwei Filme zu sehen bekommen und dann darüber diskutiert. Das war unglaublich spannend und bereichernd. Wenn ich einmal nicht mehr so viel drehe, dann werde ich genüsslich herumreisen und überall ins Kino gehen".

Das Rahmenprogramm

Die in Wien beheimatete Veranstaltungsreihe Bebop Rodeo brachte schon House-Legenden wie die Moodymann oder Theo Parrish nach Wien. Neben Partys macht man auch Radiosendungen, die in unregelmäßigen Abständen durch die digitale Welt gejagt werden. Der musikalische Fokus liegt dabei auf Tanzmusik zwischen Broken Beats und Techno.

Am Mittwochabend (21 Uhr) schickt die Bebop-Crew ihre beiden Schützlinge Anna Leiser und Moogle ins Viennale-Festivalzentrum (Dominikanerbastei 11).

Am Donnerstag lässt man die Party außen vor und widmet sich dem im Sommer dieses Jahres verstorbenen Regisseur und Medientheoretiker Harun Farocki. Er zählte zu den bedeutendsten Dokumentaristen und Analytikern der Branche. Die Filmemacher Julian Radlmaier, Klaus Wyborny und die Video-Künstlerin Constanze Ruhm plaudern ab 19 Uhr über Farockis Leben und Schaffen. Anschließend werden einige Viennale-Gäste ihre Lieblingssongs vorspielen – so verlangt es die Tradition. Mit dabei sind Sebastian Brameshuber, Chris Gude, Dorit Margreiter, Joel Potrykus und Nathan Silver.

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