© Kai Middendorf Galerie

Kultur
09/18/2012

"Viennafair": Drehscheibe für die Kunst

Am Mittwoch (19. September) startet in Wien die Kunstmesse "Viennafair": Ein Blick in die Welt des neuen Eigentümers Sergey Skaterschikov.

von Michael Huber

Wenn am Mittwochabend die Wiener Kunstmesse "Viennafair" ihre Pforten öffnet, könnten auch einige Superreiche im Publikum sein. Doch eines will Sergey Skaterschikov, der die Messe Anfang des Jahres mehrheitlich erwarb, klarstellen: "Die Viennafair", sagt er, "ist nicht für russische Oligarchen gedacht."

Der 40-jährige Skaterschikov zeigt selbst keine Anzeichen jenes Reichtums, den man oft mit russischen Investoren assoziiert. Der Geschäftsmann, der zum Gespräch ein T-Shirt mit dem Logo seines Kunst-Infodiensts "Skate’s" trägt, scheint der "New Economy" des Internets näher als dem ehrwürdigen Kunsthandel. Nicht zuletzt deshalb verunsichert er in der Branche.

"Wir haben die Messe unter dem Motto ,The New Contemporary" neu positioniert, also haben wir eher Preise auf dem Einstiegslevel zu erwarten", sagt der Neo-Messebetreiber. "Der Grund, warum die Messe zuletzt für die Galerien nicht lohnend war, war dieses Missverhältnis: Die Viennafair versuchte, Großsammler anzuziehen, die meiner Meinung nach aber nie in großer Zahl kamen."

Kunst & Industrie

Auch in Russland sei der Wachstumsmarkt nun eher die "zeitgenössische Mittelklasse-Elite", erklärt der gebürtige Moskauer: Jene Oligarchen, die immer wieder mit millionenschweren Kunstkäufen auffielen, hätten längst Standbeine in London und New York und kauften bei den dortigen Messen und Großgalerien. Wenn Skaterschikov von der "Kunstindustrie" spricht, meint er damit eher Events oder eCommerce-Plattformen – die Infrastruktur einer neuen Sammlergeneration.

Um in dieser "Industrie" zu reüssieren, stützt sich der Unternehmer sehr wohl auf Russlands Reiche: Der Moskauer Immobilienmagnat Dmitry Aksenov machte etwa mit seinem Kapital die Übernahme der "Viennafair" erst möglich. Mit Hilfe eines anderen Geldgebers, des Oligarchen Vladimir Evtushenkov, führt Skaterschikov parallel eine harte Übernahmeschlacht um die Kunstpreis-Datenbank "Artnet".

Während "Artnet" primär als Nachschlagewerk für Auktionsergebnisse bekannt ist, erstellt "Skate’s" Markt­analysen nach den Gesichtspunkten Investment und Ertrag: So werden jene Kunstwerke gelistet, die beim Wiederverkauf am meisten einbrachten (ein "Abstraktes Bild" von Gerhard Richter gewann etwa in sechs Jahren das Zehnfache an Wert.)

Dass Skaterschikovs Investoren-Blick dabei auch auf Museen fällt, verwundert kaum. Wie in einem "Skate’s"-Report im November 2011 zu lesen war, sei es nur eine Frage der Zeit, bis Museen "als regierungseigene Schatzkammern betrachtet werden, die dabei helfen können, Budgetdefizite auszugleichen." Museen sollten demnach Kapitalmärkte ausnützen, "um die Werte in ihren Gewölben zu erschließen, ohne nötigerweise signifikante Mengen an Kunstschätzen zu verkaufen."

 

Museen als Kapital

Wie Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder erklärt, sei diese Tür bei Österreichs Bundesmuseen bereits "ganz leicht aufgemacht worden": Seit 2006 scheint "unentgeltlich erworbenes Sammlungsvermögen" in den Bilanzen auf, was aber nur einen minimalen Teil der Bestände (im KHM 2011 etwa 1,6 Mio. €) erfasst. Sonst geben nur Versicherungswerte (für die "Saliera" aus dem KHM etwa 50 Mio. €, für Dürers "Betende Hände" aus der Albertina 25 Mio. €) Aufschluss über die Werte der Schätze. Während Schröder die Bewertung von Museumssammlungen ablehnt, kann er sich Verkäufe, die nur der Sammlung zugutekommen, vorstellen: Das Leopold Museum, dessen Bestände 1994 auf umgerechnet 577 Mio. € geschätzt worden waren, hatte 2011 etwa Schieles "Häuser mit bunter Wäsche" um 27.63 Mio. € abgesetzt, um das "Bildnis Wally" zu halten.

 

Börsengang

"Ich denke nicht daran, dass Regierungen Museen nicht mehr finanzieren und sie stattdessen an die Börse bringen", beteuert Skaterschikov. "Aber lesen Sie Berichte aus Griechenland oder Italien, wo die Infrastruktur massiv leidet. Die Frage ist: Können die Regierungen und die Verantwortlichen der Museen genug privates Kapital mobilisieren? Es ist eine Managementfrage und eine Frage der Politik. Und es wird immer schwieriger, private Geldgeber zu gewinnen, wenn man ihnen nicht im Gegenzug mehr anbietet."

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