Kultur
22.09.2016

Viennacontemporary: Mutig in neue Zeiten

Die Wiener Messe für Gegenwartskunst traut sich, Neues zu präsentieren

Kann man ein kommerzielles Unternehmen wirklich mit der Entwicklung und der Imagepflege einer Großstadt betrauen? Dmitry Aksenov, seit fünf Jahren Eigentümer der wichtigsten Gegenwartskunst-Messe Wiens, tut ein wenig so, wenn er sagt, dass er die Stadt als „Umschlagplatz neuer Ideen in allen Bereichen zeitgenössischer Kultur" etablieren möchte.

Tatsache ist, dass eine moderne, vorwärts denkende Metropole heute einen Marktplatz für zeitgenössische Kunst als Signalpfosten braucht. Und hier hat sich die „Viennacontemporary“, die heuer zum zweiten Mal in der Wiener Marx-Halle stattfindet, als zentraler Leuchtturm etabliert.

Spürbare Lockerheit

An der heurigen Ausgabe, die bis inklusive Sonntag zu besuchen ist, fällt eine gewisse Lockerheit und Selbstsicherheit auf. Die teilnehmenden Galerien trauen sich vermehrt, junge und weniger bekannte Kunst zu zeigen oder ihren ganzen Messestand einer einzigen Persönlichkeit zu widmen – eine Strategie, die intensives Kennenlernen ermöglicht, im Hinblick auf mögliche Verkäufe aber stets ein Risiko darstellt. Einige dieser Präsentationen finden in der so genannten „Zone 1“ statt, für die Galerien einen Bewerbungsprozess durchlaufen mussten und eine Förderung vom Bundeskanzleramt erhielten: Hier zeigt „Raum mit Licht“ den Fotokünstler Bernhard Hosa, Krobath präsentiert herausragende Zeichnungen und Gemälde von Sebastian Koch, Crone ist mit Draht-Objekten von Constantin Luser präsent.

Viele Galeristinnen und Galeristen wagen auch abseits dieser Zone klare Statements – etwa die Wienerin Lisa Kandlhofer, die ihre Koje von der Künstlerin Frauke Dannert in ein Wandgemälde verwandeln ließ und dafür den Jury-Preis der Wirtschaftskammer Wien erhielt. Die Kölner Galerie Philipp von Rosen zeigt aufregende geometrische Bilder zwischen Malerei und Computerkunst von Jonas Maas, die Galerie Żak Branicka fällt mit kühlen Objekten von Marlena Kudlicka auf. Die Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling, die kürzlich eine Dependance in Wien eröffnete, wirkt da mit ihrer durchaus exquisiten Schau zu den deutschen Künstlern Heinz Mack und Gerhard Hoehme fast schon museal.

Keine Millionenbeträge

Ansonsten sind auch etablierte Größen der Szene experimentierfreudig – Christine König etwa zeigt an ihrem Stand politische Statements und Werke junger Malerinnen, auch andere Wiener Top-Adressen wie Georg Kargl, Ursula Krinzinger und Martin Janda, die Querschnitte durch ihr Programm zeigen, haben Wert auf jüngere Kunst gelegt.

Insgesamt schlägt sich diese Tendenz darin nieder, dass auch bei etablierten Galerien schon Werke in der relativ moderaten Preisspanne zwischen 1500 und 5000 Euro zu erwerben sind. Die Zeit, als man sich mit sehr hochpreisiger Kunst nobel gab und hoffte, dass ein Oligarch vorbeischauen möge, sind vorbei. Auch das nennt man Gegenwartsbezug.