© Biennale di Venezia 2011

Kultur
12/05/2011

Venedig: Goldener Löwe für russischen "Faust"

Der Film "Faust" von Alexander Sokurow hat den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig gewonnen.

Der Film "Faust" mit dem Österreicher Johannes Zeiler in der Hauptrolle hat den Goldenen Löwen der 68. Internationalen Filmfestspiele Venedig gewonnen. Regie führte der 60-jährige Russe Alexander Sokurow. In dem Streifen, der auf der gleichnamigen Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe basiert, agieren neben dem 41-jährigen Steirer deutsche Stars wie Hanna Schygulla. Der österreichische Filmemacher Michael Glawogger wurde im Zweitwettbewerb "Orizzonti" ausgezeichnet, sein Landsmann Christoph Waltz ging als Schauspieler leer aus.

Der in Deutschland, Spanien und Island gedrehte Film "Faust" ist der Abschluss einer Tetralogie Sokurows. Für die beste Regie wurde von der Jury unter dem Vorsitz von US-Filmemacher Darren Aronofsky der Chinese Cai Shangjun für seinem Film "Ren Shan Ren Hai" ("People Mountain People Sea") mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet. Die Jury bei der 68. "Mostra" hatte die Auswahl zwischen insgesamt 23 Filmen. Als Favorit für den Goldenen Löwen hatte der französisch-polnische Filmemacher Roman Polanski gegolten, der das Bühnenstück "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza mit dem Österreicher Christoph Waltz sowie der Britin Kate Winslet und der US-Schauspielerin Jodie Foster verfilmte.

Auch Hollywood-Star George Clooney nahm mit seinem Politthriller "Die Iden des März" an dem Wettbewerb teil, ebenso wie der kanadische Regisseur David Cronenberg mit dem teils in Deutschland gedrehten Film "Eine gefährliche Methode" über Sigmund Freud. Bei der Preisverleihung am Samstagabend wurde zudem der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender als bester Schauspieler ausgezeichnet.

Fassbender spielt in dem Film "Shame" des Regisseurs Steve McQueen einen sexsüchtigen Mann. Als seine Schwester zu Besuch kommt, gerät sein Leben aus den Fugen. Fassbender wurde 1977 in Heidelberg geboren, wuchs dann später aber in Irland auf. Er wurde mit seiner Rolle in "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino bekannt.

Jurypreis für Michael Glawoggers "Whore's Glory" in der Nebenreihe Orizzonti

Als beste Schauspielerin wurde die Chinesin Deanie Ip geehrt. Sie spielt in dem berührenden Drama "A Simple Life" eine alte Dame, die nach jahrzehntelanger Arbeit als Hausmädchen ins Altersheim abgeschoben wird. Der österreichische Filmemacher Michael Glawogger war bereits am Nachmittag im Zweitwettbewerb "Orizzonti" ausgezeichnet worden. Er erhielt für seine Dokumentation über Prostitution "Whore's Glory" den Spezialpreis der Jury, habe er doch "die älteste Profession als Spiegel eines globalen Labyrinths aus Sex und Kommerz mit erstaunlicher visueller Eloquenz und Präzision" eingefangen.

"Ich würde diesen Preis gerne heute nach Thailand, Bangladesch und Mexiko tragen, um den Frauen zu zeigen, wie außergewöhnlich das ist, was sie mir mit auf den Weg gegeben haben. Und dass sie wahrgenommen und verstanden werden", erklärte Glawogger anlässlich der Überreichung der Auszeichnung.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz erklärte laut einer Aussendung: "Michael Glawogger ist einer der kompromisslosesten Filmdokumentaristen unserer Zeit. Beheimatet sowohl im fiktionalen Genre als auch im Dokumentarfilm, präsentiert er seinem Publikum schonungslose Einblicke in Thematiken, die zwar allgegenwärtig, aber stark tabubehaftet sind. Ich gratuliere dem Regisseur und seinem Team zu dieser großen Anerkennung im Rahmen der Filmfestspiele Venedig. Sie ist einmal mehr Beweis dafür, dass Österreich längst eine große Filmnation ist. Stolz macht mich auch der Umstand, dass unsere Förderentscheidungen im Rahmen des Film- und Fernseh-Abkommens maßgeblich dazu beitragen, dass sehr erfolgreiche heimische Kinofilme entstehen, die weltweit für Furore sorgen."

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