© Verlag Anton Pustet/Johannes Tichy (3)

Porträts
10/17/2013

Umstrittener Genuss: Raucher erzählen

Prominente Österreicher berichten in dem Fotoband "Rauchende Köpfe" über ihr Leben mit und ohne Rauch.

von Peter Temel

Jeder Österreicher weiß, dass Rauchen ungesund, störend und teuer ist. 1,6 Millionen rauchen dennoch. Im Buch „Rauchende Köpfe“ von Georg Thiel und Johannes Tichy, erklären 40 Menschen, was für sie am Rauchen faszinierend ist – oder war.

Gerade arbeitet die EU daran, den Menschen noch deutlicher zu machen, dass Rauchen tödlich sein kann – siehe Packungstexte. Demnächst sollen abschreckende Schockbilder dazukommen. Die Spezies Raucher wird aus dem öffentlichen Raum zurückgedrängt. Thiel fragte prominente Raucher und Ex-Raucher, wie es begonnen hat. Wie man aufhört. Warum es oft nicht gelingt.

Der 65-jährige Schriftsteller Felix Mitterer will, wie andere im Buch, keine Propaganda fürs Rauchen machen. „Aber ich bin eben aus einer Generation, wo es zu unserer Kultur gehört hat.“ 2004 erlebte er in Irland, wie zum ersten Mal in Europa Raucher aus Lokalen verbannt wurden. „Egal, in welchem Land auf der Welt man draußen steht und raucht, dort sind halt oft die interessantesten Menschen. Das ist leider so.“ Abt Michael vom Stift Geras, Pfeifenraucher, findet bedauerlich, „dass es keine Nischen der Gemütlichkeit und des Genusses mehr gibt. Ich denke mir immer, der moderne Mensch ist viel asketischer, als es die Kirche je war.“ Gemeinsamer Befund: Die Welt ist für Raucher ungemütlich geworden. Dennoch bleibt die Faszination offenbar bestehen. Musikerin Soap & Skin beschreibt sie so: „Tabak gehört zu den Dingen, die schön sind, weil sie auch gefährlich sind. Wie das meiste, das schön ist.“

Rauchen wie die Voest

Willi Kreuz, der erst nach seiner Zeit als Fußballer und Cordoba-Held mit dem Rauchen begann, beklagt sich im Buch über das Verhalten mancher Ex-Raucher. Ein Trainerkollege „hat 40 Jahre geraucht wie die Voest. Unlängst sitzt er im Stadion neben mir und sagt, ich soll den Rauch woanders hinblasen.“

Um die Voest in Linz geht es auch in den Erzählungen von Schauspieler Wolfgang Böck. Dort habe er als Jugendlicher im Sommer gearbeitet und „nicht zuletzt aus Solidarität“ zu rauchen begonnen. Als Mutprobe galt, sich an glühenden Stahlblöcken eine Zigarette anzuzünden. Böck: „Der Tschick hat nachher gebrannt. Die Haare und der Bart auch.“

Rauchfrei

Das Buch lässt auch Menschen zu Wort kommen, die dem Nikotin abgeschworen haben. Josef Hader, Heilwig Pfanzelter oder Alexander Van der Bellen, einer der prominentesten Raucher Österreichs, der im Vorjahr „rauchfrei“ meldete. Mittlerweile wurde er aber wieder beim Rauchen gesichtet.

Laut Kabarettist Robert Palfrader, „ist es ganz einfach, mit dem Rauchen aufzuhören: Man muss ja etwas nur nicht tun. – Ich hab zwar ein paar Kilo zugenommen, aber zum einen ist das bei mir eh schon wurscht und zum anderen: Lieber ein paar Kilo zu viel als einen Lungenkrebs zu viel.“

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