Über die Zeitung der Zukunft

epa00526596 New Berliner format of The Guardian, national paper, that has changed from the larger broadsheet format on Monday, 12 September 2005, in the United Kingdom. Saturdays edition, 10 September 2005, was the final broadsheet edition. EPA/ANITA MARI
Foto: apa Neues Design: Bei der Umgestaltung des Guardian 2005 wurde die Zeitung verkleinert und auf das sogenannte „Berliner Format“ umgestellt

Der britische Zeitungsdesigner Mark Porter erklärt im Interview mit KURIER, wie er den Guardian umgestaltet hat und wo es in Zukunft hingehen wird.

Seine Umgestaltung des Guardian setzte 2005 Maßstäbe: Das Design wurde von zahlreichen Zeitungen in der ganzen Welt kopiert. In letzter Zeit befasst sich Mark Porter auch mit dem Design von digitalen Produkten. Im Rahmen der Konferenz "Creative Printing" sprach der Brite in Wien; der KURIER stellte am Rande ein paar Fragen.

KURIER: Sie haben mit dem Redesign des Guardian einen Prototyp der modernen Zeitung geschaffen. Was macht sie aus?
Mark Porter: Vor allem der Versuch, visuellen Journalismus zu integrieren. Das größte Problem der modernen Zeitung ist ja, dass die Leute nicht genug Zeit haben. Man muss ihnen in kurzer Zeit ein befriedigendes Erlebnis bieten. Wenn die Leute eine ganze Zeitung kaufen und nur zehn Prozent davon lesen, fühlen sie sich schuldig und kaufen eine andere. Das tolle an Infografiken, Fotografie und Design ist, dass man Geschichten sehr direkt und unmittelbar erzählen kann. Man kann die Zeitung in 15 Minuten in der U-Bahn lesen und hat trotzdem etwas erfahren.

Hat das Internet Einfluss darauf, wie Zeitungen heute aussehen?
Den größten Einfluss hat die Entwicklung der Technologie. Die Druckqualität ist viel besser, die Erstellung von Layouts flexibler geworden. Ich glaube, dass manche Zeitungen versucht haben, das Internet zu imitieren. Ich halte das für einen Irrweg, weil die Medien so unterschiedlich sind. Man muss eigene Designs für Print und für digitale Medien entwickeln. Ohne dabei die gemeinsame Identität zu vernachlässigen.

"Wir treten in das Post-Computer-Zeitalter ein."

Sie haben auch die iPad-Version des Guardian entwickelt.
Das iPad ist ein sehr interessantes Gerät, weil es zweierlei bieten kann: das Print-Gefühl – sich zurücklehnen und in die Lektüre versinken – und das schnellere Web-Erlebnis. Nachdem der Guardian bereits über mehrere Kanäle für schnelle Information verfügte, haben wir beschlossen, die iPad-Version mehr wie Print zu gestalten. Ohne aber das Printdesign einfach umzulegen: Die App, die wir entwickelt haben, bringt die besten Aspekte der Printausgabe in eine digital schlüssige Form.

Wie wichtig ist es, in die Entwicklung von Tablet-Produkten zu investieren?
Ich bin davon überzeugt, dass wir in das Post-Computer-Zeitalter eintreten. Die meisten Leute werden nicht mehr an PCs arbeiten oder Laptops herumschleppen, sie werden Tablets verwenden. Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass das die Geräte sind, mit denen die Leute zukünftig unsere Produkte konsumieren. Es ist also extrem wichtig, sich rechtzeitig mit ihnen auseinanderzusetzen, um irgendwann richtig gute Tablet-Produkte anbieten zu können.

(kurier) Erstellt am
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