Udo Jürgens wurde "Mitten aus dem Leben" gerissen.

© Deleted - 902130

Abschied von Udo Jürgens
12/23/2014

Udo Jürgens verfügte Einäscherung

Die Feuerbestattung wird im engsten Familienkreis stattfinden, eine öffentliche Trauerfeiert findet frühestens Mitte Jänner statt.

von Marco Weise

Es waren weiße Chrysanthemen, die ich zum Abschied dir gesandt. Es war ein stilles Abschiednehmen, denn ich ging in ein fernes Land ...", sang Udo Jürgens im Song "Es waren weiße Chrysanthemen" (1956).

Nach dem unerwarteten Tod des Entertainers revanchieren sich nun die Fans bei ihrem Idol: Vor dem Eingangsbereich des Krankenhaus Münsterlingen (Schweiz), in dem Jürgens am Sonntag um 16.25 Uhr für tot erklärt wurde, werden Blumen niedergelegt. Zu seinem Haus in Gottlieben am Bodensee pilgern Menschen und zünden Kerzen an. Und das Internet ist voller persönlicher Anteilnahme: "Lieber Udo, Sie waren der Größte. Danke für alles, Sie werden unendlich fehlen", schreibt etwa der Leser Oskar Blum auf KURIER.at.

Immer mehr Details zum Tod von Udo Jürgens werden bekannt gegeben. So hat dem Sänger auch die schnelle Verfügbarkeit eines Defibrillators nicht mehr das Leben retten können. Das medizinische Gerät hing nur wenige Hundert Meter von der Seepromenade entfernt am Gemeindehaus in Gottlieben. Von dort holte es Jürgens Begleiter, sein langjähriger Chauffeur, Bühnenmusiker und Assistent Billy Todzo, und versuchte den ohnmächtigen Jürgens wieder ins Leben zurückzuholen. Erfolglos.

Beerdigung

Eine öffentliche Trauerfeier für Udo Jürgens soll frühestens Mitte Jänner stattfinden. Dies kündigte sein Sprecher Thomas Weber am Dienstag an. "Das muss alles ohne Hektik vorbereitet werden", sagte Weber. Der Künstler habe eine Feuerbestattung verfügt, sagte Weber.

Sie solle im engsten Familienkreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Dieser Wunsch möge respektiert werden, sagte Weber. Es gibt Spekulationen, dass Jürgens ein Ehrengrab am Zentralfriedhof in Wien erhalten könnte. "Das ist eine Option", sagte Weber dazu.

Abschied

Nach dem Ableben herrschen allerorts Fassungslosigkeit und tiefe Trauer. Nationale Medien sagten "Merci!" und auch deutschsprachige Tageszeitungen ehrten den Sänger, Komponisten und Menschen Udo Jürgens: "Deutschland ist schockiert. Und stumm. Udo Jürgens schien alterslos – in unseren bewundernden Augen", schrieb etwa die Bild.

Von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) bis Conchita Wurst: Tausende haben nach dem Tod Udo Jürgens’ ihre Trauer zum Ausdruck gebracht. Sein Ableben hat auch auf präsidialer Ebene Wirkung gezeigt. "Ein plötzlicher Tod hat einen großen Künstler mitten aus dem Leben gerissen und uns fassungslos zurückgelassen", sagte Bundespräsident Heinz Fischer am Montag. Jürgens habe den Gefühlen und Hoffnungen von Millionen Menschen Ausdruck verliehen. "Er war ein großer Österreicher und hat Musikgeschichte geschrieben." Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck schrieb in seinem Kondolenzbrief an Jürgens' Tochter Jenny, dass mit dem Sänger "ein Großer des deutschen Chansons gestorben" sei. "Seine Lieder haben uns alle begleitet und erfreut, manchmal auch getröstet und nachdenklich gemacht."Apropos Kondolenzbrief: Im Wiener Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds, in dem Udo Jürgens 2013 sein wächsernes Ebenbild feierlich enthüllte, liegt in den kommenden Tagen ein Kondolenzbuch auf. Indes übertreffen sich Kärntner Politiker mit ihren Ideen: Die Vizebürgermeisterin von Klagenfurt, Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ), möchte den Klagenfurter Flughafen nach Udo Jürgens benennen. Landesrat Gerhard Köfer (Team Stronach) konterte mit dem Vorschlag, die Wiener Gasse in der Klagenfurter Innenstadt umzubenennen. Dort befand sich nämlich einst das "Tanz-Café Lerch", in dem Jürgens in den 50er-Jahren als Swing- und Jazzmusiker auftrat.

Udo Jürgens im Porträt

Einen seiner größten Hits – „17 Jahr, blondes Haar“ – schrieb Udo Jürgens für ihre Mutter: „Ich bin da ganz sicher“, betont Sonja Jürgens, uneheliche Tochter des am Sonntag verstorbenen Entertainers, „er fand sie unglaublich schön, Typ Brigitte Bardot.“ Nach dem überraschenden Ableben trauert die 48-Jährige mit den Halbgeschwistern – Jonny (50), Jenny (47) & Gloria (20) – um ihren geliebten Vater. Im KURIER-Gespräch fällt es der gebürtigen Wienerin schwer, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen: „Ich finde keine Worte für die tiefe Traurigkeit, die ich empfinde. Mein einziger Wunsch ist es, mit meiner Familie zu sein, die mir Halt gibt. Udo war ein Star, aber für mich ist er einfach nur mein Vater.“ Seit dem Babyalter habe sie regelmäßig Kontakt zu ihm gehalten: „Er hat mich in Wien besucht, in sein Haus nach Portugal und zu Konzerten eingeladen.“

Merci, Udo

Udo Jürgens ist tot. Selten war das Wort erschütternd so passend wie hier. Mit Udo Jürgens, Österreichs größtem Sänger und Entertainer, ist ein Stück von uns allen gestorben. Der Künstler, der erst vor knapp drei Wochen den Auftakt seiner Österreich-Tournee "Mitten im Leben" in der Salzburgarena gefeiert hatte, ist am Sonntag völlig unerwartet bei einem Spaziergang in Gottlieben im Schweizer Kanton Thurgau bewusstlos zusammengebrochen. Trotz sofortiger Wiederbelebungsversuche starb Jürgens um 16.25 Uhr im Krankenhaus von Münsterlingen an Herzversagen (mehr dazu hier).

Einzigartige Karriere

Udo Jürgens' Siegeszug als Solo-Künstler in der deutschsprachigen Musiklandschaft begann in den 1960er Jahren. Nach einigen kleineren Erfolgen fuhr er 1966 als Song-Contest-Sieger nach Hause. "Merci Cherie" macht ihn über Nacht zum Star. Zeitlebens hat Jürgens rund 1000 Lieder komponiert und an die 100 Millionen Tonträger verkauft. Damit ist er der erfolgreichste deutschsprachige Interpret der Geschichte. Am 30. September 1934 in Klagenfurt geboren, lebte Jürgens seit 1977 in Zürich. Auch aus steuerlichen Gründen. 2007 nahm er parallel die Schweizer Staatsbürgerschaft an (mehr zu Udo Jürgens Privatleben).

Udo Jürgens schrieb Welthits für Frank Sinatra und Sammy Davis Jr., hatte Nummer-1-Hits in Frankreich und Japan. Als vor wenigen Wochenim Fernsehen sein 80. Geburtstag gefeiertwurde, gab es tatsächlich noch einen dieser so selten gewordenen großen TV-Momente: die ganze Familie, Generationen waren versammelt.

Die meisten Österreicher hatten seine Karriere miterlebt, waren mit seinen Lieder aufgewachsen oder hatten sie in dritter und vierter Fan-Generation neu entdeckt. Auch das Feuilleton zollte ihm Respekt. Lieder wie "Das ehrenwerte Haus" oder "Griechischer Wein" sind Klassiker.

2011 bekam er die KURIER-Romy für das Lebenswerk.

Letztes Album

Udo Jürgens war 60 Jahre im Musikgeschäft. Die Frage, wie lange er noch arbeiten werde, hatte er zuletzt schon satt, wie er vor wenigen Monaten im Interview mit dem KURIER bekannte: "Das hat man mich schon vor 30 Jahren gefragt. Ich weiß nicht, wann ich mich zurückziehe. Das Leben setzt uns rechtzeitig Schranken, das Schicksal sorgt für die Richtung", sagt er anlässlich der Präsentation seines letzten Albums.

Er wirkte zuletzt abgeklärt, selbstkritisch und trotzdem zuversichtlich. Bäume wolle er keine mehr ausreißen, aber durchaus noch welche pflanzen, heißt es auf der CD. Es gebe auch mit 80 noch so viel zu entdecken.

Sein Lieblingslied unter alle seinen Songs sei "Ich weiß, was ich will", das in den späten 70er-Jahren entstand. "Damals war ich allerdings weit davon entfernt, das zu wissen", sagte Jürgens. Er wird schrecklich fehlen.

Reaktionen: Die Welt trauert um großen Entertainer.

Auch am Montag und in den kommenden Tagen reagiert der ORF durch umfangreiche Programmumstellungen auf den Tod von Udo Jürgens. "Thema" (21.10 Uhr) und "Kulturmontag" (22.30 Uhr) befassen sich heute in ORF 2 mit dem verstorbenen Musiker und Entertainer, 3sat zeigt die Lisbeth-Bischoff-Doku "Udo" heute um 22.25 Uhr.

Die ORF-Produktion "Udo Jürgens: Es werde Licht - Meine Winter-und Weihnachtslieder" aus dem Jahr 2003 zeigt am Dienstag (23. Dezember), um 21.05 Uhr in ORF 2 den Künstler noch einmal von seiner ganz persönlichen Seite. In der "Helene Fischer Show" am 25. Dezember um 20.15 Uhr in ORF 2 ist Udo Jürgens bei seinem letzten TV-Auftritt zu sehen, der wenige Tage vor seinem Tod aufgezeichnet wurde.

ORF III blickt am 26. und 28. Dezember noch einmal zurück, u.a. mit dem Spielfilm-Zweiteiler "Der Mann mit dem Fagott" (26., 22.25 Uhr und 0.10 Uhr) sowie mit "Udo Jürgens: Geradeaus" (28., 12 Uhr), den Höhepunkten eines Konzerts aus dem Jahr 1992.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.