Kultur
14.03.2012

Udo Jürgens in Wien: Er kann's immer noch

Seine Stimme ist nach einer kurzzeitigen Krise wieder bestens geölt. In der Wiener Stadthalle beschloss Udo Jürgens seine Österreich-Serie.

Am Ende war der Konzertflügel überhäuft mit in Zellophan verpackten Rosen.  Dafür lieferte Udo Jürgens die bestellte Ware: Griechischer Wein, weißer Bademantel und eine Dosis Gebrauchslyrik. „Ich wünsch’ dir Liebe ohne Leiden“, das lässt keinen kalt.
Udo Jürgens  zeigte nach Konzerten in Graz, Linz und Salzburg   Dienstag in der ausverkauften Wiener Stadthalle, warum er auch mit 76  Fans jeden Alters hat (Fünfzig plus dominierte):  Er ist Entertainment-Profi und ein Mensch mit durchwachsener Vita, der mit den Brüchen in ebendieser glaubwürdig umgeht.

Schwerarbeiter

Bestens bei Stimme (nach Grippe im Jänner) tanzte und musizierte der kreative Schwerarbeiter mit dem famosen Pepe Lienhard Orchester, Partner seit 37 Jahren. Der Sound war für Stadthallenverhältnisse prächtig, Jürgens’ Ausflüge in die Instrumentenkunde fanden Anklang: „Das ist keine Trompete, das ist ein Flügelhorn“, dozierte der Musikprofessor  vor den Fans und traute ihnen auch Jazzeinlagen zu.

Unter den Zehntausend viele Udo-Profis, die  auch diesmal  ein Stückchen von ihrem Helden mit heimnehmen wollten. Während des dreistündigen Konzerts  klickten unentwegt Handy-Kameras. Eine Dame  kommentierte routiniert: „Am Anfang singt er die neuen Lieder, nach der Pause die Schlager. Das macht er immer so, der Udo.“  Stimmt.
Bis es Zeit wurde zum Mitschunkeln, sang und erzählte Jürgens aus seinem jüngsten Album „Der ganz normale Wahnsinn“. Kommentierte  Analogkäse, neue Medien („Wenn es so weitergeht, werden Sie Ihre Leberwerte auf Facebook sehen“) und  das Leben an  sich.

Jürgens als Heilsbringer, der sagt, wie man leben soll. „Flieg gegen den Wind“, „Sei, wie du bist“. Recht brauchbar zur Alltagsbewältigung. Ganz so, wie er das immer schon gemacht hat, wie im  grandiosen  „Dieses ehrenwerte Haus“, das Alltagsrassismus thematisiert.
Am berührendsten wird Jürgens, wenn er vom Alter spricht. Über  den weiten Weg, den manche vor sich haben. Für ihn werde er nicht mehr so lang sein.
Doch auch an Selbstbewusstsein fehlte es Dienstag nicht.  „Manche können ihre Lieder nach zwanzig Jahren nicht mehr hören. Ich spiel’ sie immer wieder  gerne. Weil sie gut sind.“  Am 31. Oktober kommt er wieder in die Stadthalle.

KURIER-Wertung: ***** von *****