Udo Jürgens-Biografie als TV-Zweiteiler

Der Mann mit dem Klavier: David Rott als junger Udo Jürgens im Film.
Foto: ORF GRAF FILM/Toni Muhr

Ein Jürgens-Film, in dem Jürgens nicht so wichtig ist: Die ORF/ARD-Produktion "Der Mann mit dem Fagott" wurde in Hamburg präsentiert.

Ich habe schlecht geschlafen", gesteht Udo Jürgens. Dienstagabend in einem Hamburger Kino. Gerade wurde die Verfilmung von Jürgens' Bestseller "Der Mann mit dem Fagott" erstmals öffentlich vorgeführt. Udo Jürgens spricht nach der Vorstellung ein paar Worte. Ihm liegt offensichtlich viel an diesem Projekt. Er bittet die Schauspieler nach vorne, den Regisseur, die Produzenten. Er lobt alle überschwänglich. "Es ist ein unglaublicher Tag".
Der 750-Seiten-Wälzer "Der Mann mit dem Fagott" erschien 2006; in jahrelanger Arbeit wurde daraus ein opulenter TV-Zweiteiler. Erzählt wird nur in zweiter Linie die Geschichte des Udo Jürgens; vor allem geht es um seine Familie.

Um den Großvater Heinrich Bockelmann, einen Moskauer Bankier, der 1915 aus Russland fliehen musste. Den Vater, Rudi, einen unentschlossenen Nazi-Mitläufer. Und dann doch auch um Udo, den sensiblen Buben, der ganz für die Musik lebt. Aber eben nur "auch". Denn: "Es war mir ein bisschen peinlich. Ich bin nicht so wichtig, dass man so einen großen Film über mich drehen muss. Ein populärer Schlagersänger ist ein guter Aufhänger. Aber es handelt sich um eine Familiengeschichte."

Jürgens spielt in 11-Millionen-Euro-Projekt selbst mit

Der Mann mit dem Klavier: David Rott als junger Udo Jürgens im Film. Foto: ORF GRAF FILM/Toni Muhr Der Mann mit dem Klavier: David Rott als junger Udo Jürgens im Film.

In dem Film werden verschiedene Zeitebenen miteinander verwoben. Die Rahmenhandlung: Jürgens wird 2010 von einem Russen kontaktiert, der ihm ein jahrzehntelang verschollen geglaubtes Familienerbstück zurückgeben möchte. Was es mit dem bronzenen Fagottspieler auf sich hat, wird in Rückblenden erklärt. Alles beginnt mit dem rasanten Aufstieg und Fall des Großvaters. Ein weiteres Kapitel ist der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs gewidmet, die Klein-Udo (Alexander Kalodikis) mit seiner Familie (Ulrich Noethen als Vater, Fanny Stavjanik als Mutter) in Kärnten erlebt. Und in einem vierten Handlungsstrang wird der Aufstieg des jungen Musikers Udo Jürgens (David Rott) beschrieben; mit erster Liebe, ersten Enttäuschungen und ersten Erfolgen. Hier ist alles drin. Von der Abenteuerklamotte - Schauplatz: ein stilisiertes Pappmaschee-Russland mit sehr grimmigen Russen - zur musikalischen Erweckungsgeschichte.

"Der Mann mit dem Fagott" ist ein Film über Udo Jürgens. Und ein Film mit Udo Jürgens. Der bald 77-jährige Schlagerstar spielt sich in der Rahmenhandlung selbst. Und wirkte intensiv an der Entstehung des Films mit. Regisseur Miguel Alexandre: "Seine Großzügigkeit hat mich berührt. Weil er immer wieder hinter die Geschichte zurückgetreten ist, um das große Ganze zu sehen." Also nicht auf historischen Details beharrte, sondern den Filmemachern bei der Realisierung ihres 11-Millionen-Euro-Projekts freie Hand ließ.

Das Ergebnis: Rührung bei allen Beteiligten. Vor allem bei Jürgens selbst. "Ich dachte, wenn etwas nicht klappen wird, dann die Szenen, die ich selbst erlebt habe. Aber dann sind mir die Tränen runtergelaufen. Der Junge, der mich spielt, ist so glaubwürdig." Begeistert ist er auch von David Rott. "Dass er mitspielt, ist für mich eine Sternstunde. Ich habe David am Bildschirm gesehen und nach fünf oder zehn Sekunden gesagt: Der spielt das. Ich wollte keinen anderen mehr sehen."

Info: Zweiteiler: Ausstrahlung im September

Produktion "Der Mann mit dem Fagott" wurde von Regina Ziegler (Ziegler Film) und Klaus Graf (Graf Film) produziert. Regie: Miguel Alexandre. Der umfangreiche Zweiteiler - 2 x 100 Minuten - wird am 29. und 30. September anlässlich Jürgens' 77. Geburtstag in ORF 2 und ARD ausgestrahlt. Dazu ist ein Rahmenprogramm geplant.

Besetzung Udo Jürgens wird von ihm selbst, David Rott und Alexander Kalodikis gespielt. In weiteren Hauptrollen: Christian Berkel, Ulrich Noethen, Valerie Niehaus, Fany Stavjanik, Otto Tausig. Österreichische Schauspieler in kleineren Nebenrollen: Andreas Lust, Johannes Silberschneider, Gunther Gillian, Nicole Beutler, Alexander Lutz.

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