Claudia Reiterer, Franz Voves, Herwig Van Staa, Josef Moser und Madeleine Petrovic

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01/23/2017

TV-Kritik - "Im Zentrum": "Altparteien?" Huch!

Claudia Reiterer tat sich am Sonntag schwer, an den ersten Erfolg anzuschließen

von Philipp Wilhelmer

Na gut, Heinz Christian Strache fehlte. Und damit ein potenzieller Aufreger. Aber war nicht Madeleine Petrovic auch einmal aufregender? Und Franz Voves? Ehemaliger Chefpolterer als steirischer Landeshauptmann: Heute so leise? Schade. Aber charmant. Einzig Herwig Van Staa (früherer Landeskaiser aus Tirol, heute immerhin noch Landtagspräsident) und der ehemalige Rechnungshofpräsident Josef Moser blieben in ihren Rollen: Van Staa als Kein-Wässerchen-Trüber vom Dienst, Moser als knochentrockener und kompetenter Systemrevolutionär, auf den ebenso trocken wie schändlich keiner je gehört hat. "Im Zentrum" am Sonntag also. Zweiter Durchgang für die neue Moderatorin Claudia Reiterer.

Die Journalistin in der Runde macht weiterhin einen sensationellen Job, ist vorbereitet, reist vor jeder Sendung aufs flache Land, um dort Leute zum Thema zu interviewen - diesmal: Die schwindende Macht der Landesfürsten - und wirkt hochmotiviert, wenn man selbst am Sitz zusammenklappen würde. Allein: Es zündet nicht jede Debatte.

Klein bissl Diktatur...

Die Vox Populi-Einspieler zu Beginn ließen bisweilen tief in die Seelen der Bevölkerung blicken. Diesmal: Domplatte St. Pölten, wo ein Mann zu Reiterer original meinte: "Es muss auch die Demokratie die Form einer klein bissl Diktatur haben." Muss man mögen. "Ein klein bissl" ist ja immer die Vorformel für drangehängtes Unheil.

Der abgetretene steirische SPÖ- Landeshauptmann Franz Voves zeigte sich erstmals wieder einer breiteren Öffentlichkeit. Ein Eishockeyspieler, der kein Fürst sein will und auch den Preis für wichtige Reformen zahlte. Da saß er nun, mit Paisley-Muster auf der Krawatte und referierte glaubwürdig über die Probleme der heimischen Politik. Reformen seien "immer an der Klientelpolitik der Altparteien gescheitert." ("Altparteien?" Huch!) Und: "Wir sollten endlich begreifen, dass dieses Österreich und seine nächsten Generationen nur eine Chance hat, wenn wir uns endlich von dieser Klientelpolitik insbesondere dieser beiden Altparteien verabschieden." Weil: "Beide ehemaligen Großparteien haben ihre Gruppierungen in der Partei. Und wenn ich ständig bei notwendigen Reformen auf diese Gruppierungen Rücksicht nehmen muss, dann schaffen wir die Reformen nicht, die dieses Land schon längst braucht."

Sagte, sagte, sagte, sagte, sagte, sagte, sagte

Damit hätte die Diskussion eigentlich schon beendet sein können. Wäre da nicht Van Staa, der sich an einem neuen Rekord der Verbwiederholung versuchte, letztendlich aber wenig, nunja, sagte (es ging um private Geldspenden und ob die Pröll-Stiftung der Weisheit letzter Schluss war):

"Einer hat einmal gesagtzu mir, kann ich etwas tun, als ich Bürgermeister von Innsbruck war. Hab ichg'sagt:Ja. Der war bekannt als Mäzen für Kultur. Hab ichgesagt: Ja. Wir sind sehr verschuldet, würden gerne Events machen. Hat ergesagt:Naja für Kultur geht es im Moment nicht, aber ich bin bereit, was im sozialen Bereich zu machen. Hab ichgesagt : Ja. Ich hätte schon was, aber das wird zu teuer sein – ein Obdachlosenheim auszubauen und aufzustocken. Hat erg'sagt: Was kost' des. Hab ichs demgesagt. Hat erg'sagt: Des mach' ich. Und dann hat er es gemacht. Das hat mich damals sehr gefreut und freut mich heute nach 20 Jahren noch immer." Wobei das ohne die unnachahmliche Sprachfärbung des Tirolers mit Holländer Namen nur 50 Prozent des Pointengrades erreicht.

Was könnte da schief gehen?

Petrovic beklagte wohl zurecht die Intransparenz in Niederösterreich. Und Moser, der sich mit Reformvorschlägen zeit seiner Tätigkeit als Rechnungshofpräsident eine freundliche Abfuhr nach der nächsten holte, wiederholte die Grundformel allen föderalen Übels. In Österreich seien die Kompetenzen so verteilt, dass der Bund die Steuern einhebt – 95 Prozent der Steuern werden vom Bund eingehoben. Und die Länder haben wiederum die Verantwortung, das Geld dementsprechend auszugeben und auch dementsprechend zu steuern, dass das Geld an die richtige Stelle kommt."

Drängt sich die alte Frage auf: What could possibly go wrong?

Die Quoten schlossen übrigens nicht an die Premiere an (546.000 im Schnitt, Marktanteil 23 Prozent), sondern lagen bei 402.000 (19 Prozent MA). Immerhin im Schnitt des Vorjahres (19 Prozent MA). Lustigere Gäste könnten hilfreich sein. Achja: Das Outfit von Reiterer - viel besser als die samtene Premiere.

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